Das Geistige im Menschenwesen

zum Geistigen im Weltenall führen. Das ist Anthroposophie bzw. der anthroposophische Erkenntnisweg, wie sie und ihn Rudolf Steiner grob formuliert verstanden wissen wollte. Steiner setzt also Geistiges im Sinne von lebendiger Unsichtbarkeit heraus. Ich tue das nicht. Ich setze  nicht einmal klares, unabhängiges und tolerantes Denken bei den Anhängern der Anthroposophie und ihrer elegisch und egozentristisch aufgefächerten Mitstreiter voraus. Ich habe mir viel und oft und dabei mit unterschiedlicher Intensität ein realistisches Bild von Anthroposophen, Waldorfapologeten und ihren nächsten Gemeindemitgliedern machen können, so daß nicht weniger herausgekommen ist als die sicherlich provozierende Feststellung: Sie haben ihr Eldorado gefunden.  Ein über alle Maßen künstliches, erschreckend selbstgerechtes und unbotmäßig-eitles Paradies, wie geschaffen für heillos verwirrte Menschen.

Mich erstaunen Leute, die das Universum begreifen wollen, wo es schwierig genug ist, in Chinatown zurechtzukommen.“ 

Das ist ein Zitat von Woody Allen, und im Grunde genommen bringt es die Hybris der anthroposophischen Bewegung auf den Punkt. Das ganze Universum will verstanden werden,  als akzeptierter, notwendiger, am Besten noch krönender Teil des großen Ganzen will man Allgeschichte schreiben.  Das Universum ist eins mit der Wahrheit, und der Mensch ist eins mit dem Universum. Der Anthroposoph ist eins mit dem Menschen, und der Mensch ist durch und durch Anthroposoph, ob er will oder nicht. Denn immerhin wird neben unserem Heimatplaneten auch das Weltenall zahlreich bevölkert von den facettenreichsten Geistwesen, logisch aufgehoben in unverrückbaren Hierarchien. Und noch ganz andere, überaus seltsam anmutende Gestalten aus relativ durchlässigen Schichten kaum vorstellbarer Welten sollen teilhaben an einem mächtigen Geheimnis, wie es nur die einzigartige Anthroposophie zu lüften versteht.  Steiner hat sich dieser unsagbaren Existenzformen vergegenwärtigt, indem er hineinblicken durfte in die sogenannte „Akasha-Chronik„, einem mehr als mysteriösen, nicht wirklich greifbaren, von Zeit und Raum befreiten Kolossalgedächnis, das an sich nur „Eingeweihten“ zugänglich ist. Rudolf Steiner machte Schule als sogenannter „Eingeweihter“ (was ja im Übrigen auch Etappenziel des anthroposophischen Schulungsweges ist), und nicht nur das: Steiner genießt den pompösen Ruf eines „Menschheitsführers„, und zahllose Menschen wollten und wollen diese faszinierende „Tatsache“  für sich und den Rest der Menschheit nutzbar machen, indem sie Waldorfschulen gründeten und gründen, bio-dynamischen Landbau betrieben und betreiben, „anthroposophische Medizin“ als angeblich heilsame Ergänzungsmedizin anboten und anbieten, und so weiter und so fort – die Anthroposphie als höchst eigenwillige Philosophie, als radikal nichtalltägliches  Welt- und Menschenbild, als hermetische Religion (bzw. Religionsersatz) und theroretischer Heilhorizont,  als Umstülpung zum eigentlichen Ich und kompromisslos zusammengetragene  Anti-Ratio-Agenda. Anthroposophie ließe sich ewig und drei Tage durchbuchstabieren, ständig erweitert um aufgeblähte Wortmonster und mystifizierte Siegervokabel, und führt am Ende doch zu:  Nichts.

Für den Anfang will auch ich Sie in etwas einweihen: Ich will Sie mit einer Leseprobe aus (m)einem Buchprojekt vertraut machen, das inhaltlich, konzeptionell und nicht zuletzt titelgebend eng mit diesem Blog verknüpft ist. Folgender Link führt Sie hin zu einem mittlerweile offenen Geheimnis mit ganz und gar nicht mysteriösen Zügen:

STEINER IM BRETT, oder: Die Geister, die sie riefen… Leseprobe05.10/72.AutorIbach

Steiner im Brett: Unter diesem bezeichnenden Titel werden Sie auf dieser Seite in unregelmäßigen Abständen über vieles lesen können, was sich anthroposophisch bewegt und mich dabei nicht zur Ruhe kommen lässt; was die Waldorfpädagogik bedeutend Großes leistet, um mich reflektierend-kommentierend und/oder berichtend auf Zwergengröße schrumpfen zu lassen; was unter dem organisch befohlenem Dach der weltumspannenden Steinerschen Rettungsmission zusammenfindet, um mich noch lange nicht damit abfinden zu müssen.

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13 Gedanken zu “Das Geistige im Menschenwesen

    1. Würde ich ihn/sie nicht bereits kennen, wäre z.B. die Anwesenheit von spür- und erlebbar lächerlicher Anmaßung und das demonstrative, dabei ungeschickte Ausweichen kritischer Fragestellung ein eindeutiges Indiz, um nicht zu sagen: Er/Sie überführt sich selbst… aber muß ich überhaupt einen erkennen? Ich meine, genügt es nicht vollkommen, sich wieder all jene in Erinnerung zu rufen, mit denen man es wiederholt zu tun hatte, und die einen schon deswegen nicht zur Ruhe kommen lassen…?

    1. Beuys hat nicht zu denen gehört, mit denen ich es wiederholt zu tun hatte. Ansonsten hat es Beuys wenig versäumt, sich in der Öffentlichkeit als anthroposophisch geprägt und beeinflusst zu präsentieren. Insbesondere die sogenannte Dreigliederung (Steiners Idee) hatte es ihm angetan – sein in dieser Hinsicht nichts an Deutlichkeit zu wünschen übríg lassendes Manifest für ein gänzlich anderes Verständnis von Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft spricht Bände.
      Ich möchte Sie an dieser Stelle freundlich bitten, nicht weiter allein nur Fragen zu stellen, die meiner Antwort harren. Gerne können Sie hier Ihrer Auffassung zum Thema angemessenen Raum verleihen, das steht Ihnen jederzeit frei. Für Fragen und Antworten halte ich Chatrooms, Fragebögen und klassische Interviews geeignet, meine Kommentarseite eher weniger… vielen Dank deshalb für Ihr Verständnis!

  1. „Und Joseph Beuys?“

    fragt der Anthroposoph. Geben wir doch mal ne Antwort:

    ……………………………

    Von: Andreas Lichte
    Datum: 23. Juni 2010 09:07:19 MESZ
    An: Ansgar Martins
    Betreff: ”Ich denke sowieso mit dem Knie”

    Hallo Ansgar,

    geklärt haben wir, dass Steiners „Kunst“ keine Kunst ist.

    [hier, blog von Ansgar Martins, Ex-Waldorfschüler: http://waldorfblog.wordpress.com/2010/06/16/kreative-fundgrube-der-neue-steiner-und-die-kunst/ ]

    .

    Jetzt mal zu DEM Aushängeschild der Anthroposophie, wenn es um Kunst geht: Beuys

    Du hast selber festgestellt, dass Beuys Tafelbilder denen von Steiner zum Verwechseln ähnlich sind.

    Frage: Wenn du genau hinschauen würdest, auf Beuys QUELLEN, müsstest du dann nicht feststellen, dass Zitat Lichte, „Beuys ein Steiner-Plagiator“ ist?

    Dass auch Beuys‘ Werke letztlich die Qualität einer „technischen Zeichnung“ haben, es also äusserst fraglich ist, ob man sie überhaupt als Kunst bezeichnen kann?

    .

    Genau dieser Ansicht bin ich, HEUTE.

    Das war aber nicht immer so: bevor an der Universität der Künste das erste Semester losging, musste ich Zeit totschlagen, und hab ein Buch über Beuys gelesen. Und nichts verstanden. Damals hab ich gedacht:

    „boh, das muss ja toll sein, ich versteh kein Wort …“

    .

    Vorher, als Jugendlicher, hab ich Beuys mal in der Glotze gesehen, mit seinem inzwischen mythenumrankten Spruch:

    ”Ich denke sowieso mit dem Knie”

    Auch da hab ich gedacht: „abgefahren – cooler Typ!“

    .

    Ich hab mich voll verarschen lassen. Siehe unten.

    Das erklärt dir vielleicht, warum ich manchmal so „ungeduldig“ bin … ich denke ganz oft: muss man denn die selben Fehler immer und immer wiederholen?

    Noch ungeduldiger werde ich, weil ich weiss, dass man gegen Mythen nichts ausrichten kann:

    ich hab irgendeinen Kunsthistoriker auf meine Entdeckung zu Beuys‘ Knie-Denken hingewiesen. Natürlich wollte der aber nichts davon wissen: Das hätte ja bedeutet, dass seine ganze Arbeit für den Arsch war … und so geht es endlos weiter:

    Was einmal zur Wahrheit erklärt wurde, lässt sich nur ganz schwer wieder aus der Welt schaffen.

    .

    Beuys‘ ”Ich denke sowieso mit dem Knie” und Rudolf Steiner:

    Zuallererst gilt es wie immer einzusehen, dass nicht-anthroposophische Vorstellungen grundfalsch sind, Zitat Rudolf Steiner, ”Menschenerkenntnis und Unterrichtsgestaltung”, S. 27:

    “Es handelt sich ja so sehr darum, wenn man wirklich das Wesen des Menschen in der richtigen Weise sich vergegenwärtigen will, daß man Abschied nimmt von mancherlei Vorurteilen, die die neuere wissenschaftliche Weltanschauung schon einmal mit sich heraufgebracht hat.”

    Falsch ist, knapp gesagt, dass der Mensch mit dem Kopf denkt.

    Richtig hingegen ist, dass nur ein Bruchteil des Denkens mit dem Gehirn erfolgt [ebd. S. 27f]:

    “Von den logischen Funktionen: Vorstellen, Urteilen, Schließen, ist eigentlich nur das Vorstellen eine wirkliche Kopffunktion. Und dessen sollen wir uns sehr bewußt werden, daß eigentlich nur das Vorstellungen bilden, nicht aber das Urteilen und das Schließen, eine Kopffunktion ist.”

    Steiner scheint zu wissen, dass seine überraschende Hypothese mit Unglauben aufgenommen werden könnte und fährt fort [ebd.]:

    “Sie werden sagen: Allmählich wird der Kopf durch die Geisteswissenschaft [i.e. Anthroposophie] ganz außer Gebrauch gesetzt. – Aber das ist tatsächlich etwas, was im tiefsten Sinn der Wirklichkeit entspricht, denn wir haben an unserem Kopf nicht so außerordentlich viel als Menschen im Leben zwischen der Geburt und dem Tode.”

    Eine wirkliche Funktion hat der Kopf nur im Hinblick auf die nachtodliche – bzw. vorgeburtliche – Existenz des Menschen [ebd.], “weil er eigentlich ein Abbild ist unserer geistigen Organisation zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Er ist in gewissem Sinn ein Siegelabdruck desjenigen, was wir waren vor unserer Geburt, vor unserer Empfängnis.”

    Seine Bedeutung für das Denken relativiert Steiner dann weiter [ebd]:

    “Er [der Kopf] sitzt auf dem Körper wie ein Parasit darauf und benimmt sich auch wie ein Parasit. Es ist schon notwendig, daß man die materialistische Anschauung, als ob wir vom Kopf so außerordentlich viel hätten – wir brauchen ihn als Spiegelungsapparat –, daß man diese Ansicht aufgibt. Das ist schon notwendig. Wir müssen den Kopf ansehen lernen als ein Bild unserer vorgeburtlich geistig-seelischen Organisation.”

    Wenn wir also nicht ausschließlich mit dem Kopf denken, womit dann? Steiners Antwort [ebd. S. 29f]:

    “Das Urteilen ist eigentlich an den mittleren Organismus und namentlich an die Arme und Hände gebunden. Wir urteilen eigentlich in Wirklichkeit mit den Armen und Händen. Vorstellen tun wir mit dem Kopf. Wenn wir also also den Inhalt eines Urteils vorstellen, so geht das Urteilen selbst in den Mechanismus der Arme und Hände vor sich, und nur das vorstellungsgemäße Spiegelbild geht im Kopfe vor sich. Sie werden da ja auch innerlich begreifen können und es dann als eine wichtige didaktische Wahrheit durchschauen. (…)

    Das Schließen, das Schlüsse bilden, hängt nun zusammen mit den Beinen und Füßen. Natürlich werden Sie heute ausgelacht, wenn Sie einem Psychologen sagen, man schließt mit den Beinen, mit den Füßen, aber das letztere ist doch die Wahrheit, und würden wir als Mensch nicht auf Beine und Füße hin organisiert sein, würden wir eben nicht Schlüsse bilden können. Die Sache ist so: Vorstellen tun wir mit dem Ätherleib, und der hat seinen Rückhalt an der Hauptesorganisation, aber urteilen tun wir – also in ursprünglicher elementarer Weise – mit dem astralischen Leib, und der hat seinen Rückhalt an Armen und Händen für das Urteilen. Schließen mit den Beinen und Füßen, denn schließen tun wir mit dem Ich, das hat dabei Rückhalt an den Beinen und Füßen.”

    Soweit Steiner und sein Denken mit Armen und Beinen – man möchte sagen: “Das muß aber Hand und Fuß haben …”

    Einen Grund, warum dem grossen Publikum diese geisteswissenschaftliche Erkenntnis vorenthalten wird, liefert Steiner gleich mit: “Natürlich werden Sie heute ausgelacht, wenn Sie einem Psychologen sagen, man schließt mit den Beinen, mit den Füßen …”

    .

    Nein, Rudolf, man wird nicht ausgelacht, man wird zum Künstler Nummer Eins erklärt.

    Andreas

    1. Vielen Dank für die knietiefen Erläuterungen zu Beuys und den „geisteswissenschaftlichen“ Background dazu, der noch aus den merkwürdigsten Bemerkungen noch seltsamere Anhaltspunkte dafür liefert, wie z.B. aus Ideologie Kunst werden kann. Oder aus Aberglaube Landwirtschaft, oder aus „Erziehungskunst“ Schule, und so weiter… oder auch, wie man jetzt in Wolfsburg zu den beiden Ausstellungen des großen Merkwürdigen erleben kann: Wie aus einem sehr tolerant ausgelegten Künstlerbegriff ein echter Kunstgriff wird, um eine Art Neiddebatte zu befeuern, die Nichtanthroposophen ihr erbärmliches Steinerloses Dasein vor Augen führen soll…

  2. Hallo Michael Ibach,

    hier noch mal eine Erläuterung. Das Steiner-Zitat in meinem Kommentar, oben, stammt aus dem mehr als „knietiefen“ Sumpf der Waldorflehrerausbildung am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“.

    Dort bekamen wir genau 3 „Lehrbücher“ ausgehändigt. Und die waren von Rudolf Steiner:

    – „Allgemeine Menschenkunde – als Grundlage der Pädagogik“

    – „Theosophie – Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung“

    – „Menschenerkenntnis und Unterrichtsgestaltung“

    Das Steiner-Zitat war Lehrstoff … nach dieser Steiner-Gehirnwäsche der Waldorflehrer sollten sich Waldorfschüler und -Eltern über nichts mehr wundern … meinen Bericht aus dem „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“ kennen Sie vielleicht schon, der Vollständigkeit halber hier noch mal:

    http://www.novo-magazin.de/71/novo7138.htm

    „Wundersame Waldorf-Pädagogik oder Atlantis als Bewusstseinszustand“

    1. Hallo Herr Lichte,
      vielen Dank auch für diese Angaben! Ihr Beitrag im Novo-Magazin ist mir natürlich schon länger geläufig, aber der entsprechende Link kann ja trotzdem nicht schaden. Übrigens, worüber sich Waldorfschüler und -eltern dann doch noch wundern müssen/sollten: Das (selbstredend unterschiedliche) Maß ihrer jeweiligen Gleichgültigkeit gegenüber allen offensichtlichen Defiziten, Zumutungen, Schäbigkeiten, Lachhaftigkeiten und Fehlentwicklungen insgesamt an ihren Schulen, egal, wem oder was geschuldet…

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