Von Seelenpflegern und Rebellen wider dem Zufall

  

Schule ist nicht gleich Schule und Handicap nicht gleich Handicap.  Wer wüsste das besser als Anthroposophen und Waldorfpädagogen, die sich noch von jedem Begriff ihren eigenen Begriff machen, und sei es um dem Preis der gefährlichen Annäherung an noch gefährlichere Begriffe. Nur gut, daß Steiner dazu auch gehört werden will. Obwohl das in dieser Angelegenheit auch nichts von der großen Gefahr nimmt, die von reflektionsfreiem Nachbeten ausgeht. Oder von dogmatischer Verbohrtheit, die ganz im Verborgenen ihre in mancher Hinsicht gemeingefährlichen Nester baut.

Da musste er sich nichts vormachen: Friedrich W. hatte es durchaus kommen sehen, daß sie ihm bald schon eine Antwort gaben, die insgesamt aufschlußreich war und im Detail nicht an Aussagekraft zurücksteckte. Es war eine im zweiten Anlauf erhaltene Antwort auf seine Frage nach der Authentizität, der Grundlagentreue und der Ideologiefestigkeit einer sogenannten Freien Heilpädagogischen Waldorfschule.
   In seiner ersten Anfrage wollte er zunächst wissen, ob er denn mögliche Bedenken bezüglich der behaupteten Ausrichtung der Schule (eine regional relativ neue Einrichtung) hintenanstellen könne. Bedenkenlos in dem Sinn, daß an dieser Schule die Lehre und das Postulat Rudolf Steiners nicht in Zweifel gezogen wird;  daß Steiners Welt- und Menschenbild an allen relevanten pädagogischen, systemischen und administrativ-organisatorischen Stellen die Gedanken und Handlungen der Mitarbeiter führt. Was dem Adressaten für den Anfang ein wenig (zu) komplex und schwierig schien, machte der zweite, freundlich und dezent hartnäckig erfolgte Anlauf erfolgreich wieder wett.  Es scheint, kurze und kompakte Antworten sind nicht die Sache streitbarer Waldorfianer: Die Ziele sind zu hoch und die Absichten zu vielschichtig, als daß wenige Sätze hier heranreichen würden.  Was hinzu kommt:  Die öffentliche, dabei allgemein verständliche Darstellung des Gemeinten stellt nicht selten eine schier unüberwindbare Hürde dar.  So auch bei der adäquaten Darstellung der den schulischen Hintergrund zur Gänze und zentral einnehmenden Steiner´schen Doktrin. Das lässt sich schon sehr leicht daran ablesen, wie deren profundes Selbstverständnis auf der Website der Schule behandelt wird:  Nicht auf der Hauptseite, nicht auf der nächsten (obwohl da schon was von – wie gehabt – „ganzheitlichem Konzept“ steht),  umstandslos auch nicht auf der übernächsten, obwohl man auf dieser dem Ziel der Suche nach einleuchtenden Hintergründen schon deutlich näher kommt – ein Klick auf den Kurzüberblick und schon ist man da gelandet, wo die verwendete Wortwahl und Diktion keinen anderen Rückschluss mehr zulässt als:  Hier buhlt eine aufstrebende Waldorfeinrichtung um verzweifelte Eltern und großzügige Förderer.  Dazu macht man sich geschmeidig dahintreibende Wortwolken zunutze, ohne den geringsten Hinweis darauf, welche möglichen heftigen Unwetter dahinter lauern. Nicht ein externer Link macht zum Beispiel näher vertraut mit der windelweichen Erklärung,  daß „die aus der Menschenkunde Rudolf Steiners entwickelte Pädagogik und Heilpädagogik für das `Seelenpflege-bedürftige` Kind die Grundlage für die Arbeit bildet.“  Allein, daß für das sogenannte „Seelenpflege-bedürftige“ Kind „besondere Erkenntnishintergründe“ (aus dem Anforderungsprofil für Bewerber der anthroposophischen Heilerziehungspflegeschule „Fachschule Nord“ mit Hauptsitz in Kiel) vonnöten sind: Kein Wort, nirgends. Mit diesen „besonderen Erkenntnishintergründen“ nämlich ist weit und breit nichts anderes gemeint, als den „Erkenntnishorizont“ Rudolf Steiners in vollem Umfang heranzuziehen und in Theorie und Praxis anzuwenden.  Dieser Hintergrund leuchtet ein – zumindest dem, auf den eine gewisse Leuchtkraft gewisser Wörter schon immer viel Eindruck gemacht hat. Wenn dann noch dazu satt versprochen wird, das „Heilung erfolgt, indem der Erziehende die seelischen Kräfte (Denken, Fühlen und Wollen) des Kindes gezielt anspricht und pflegt„, dürfte es endgültig vorbei sein mit dem Verlangen, generell noch mehr erfahren zu wollen über die „besonderen Erkenntnishintergründe“ anthroposophisch waltender Heilkunst.

„… eben eine Realität…“

Damit wäre auch ein wesentliches Ziel erreicht: Mittels relativ weniger,  jedoch unbedingt vertrauenserweckender Vokabel (so auch die kontextuell hervorgehobene These, „daß trotz aller Behinderung ein jedes Kind im Kern seines Wesens eine unversehrte Persönlichkeit ist“ – was auf nichts anderes gründet und abzielt als Steiners rüstige Kernvorstellung vom unsterblichen Geistselbst, der jedem Menschen innewohnen soll) unkompliziert und sanft-pathetisch hilfsbedürftige Kundschaft zu generieren.  Aber lassen wir diesen außerordentlichen Sachverhalt Dr. Steiner selbst kurz erläutern:

  „Ich habe stets bemerkt, daß ich sofort das Vertrauen eines irgendwie gebrechlichen oder verkrüppelten Menschen hatte, wenn ich das Augenmerk darauf richtete, daß ja nur der physische Körper das Gebrechen hat, daß aber die dem physischen Körper zugrunde liegende Geistgestalt voll intakt ist. Für mich ist diese Geistgestalt eben eine Realität, geisteswissenschaftlich so nachweisbar, wie für den Chemiker im Wasser der Wasserstoff.“ (Aus einem Brief an Willy Schlüter, Berlin, 12.07.1915)
Die heilpädagogische Waldorfschule nimmt dies ebenfalls als bare Münze. Natürlich klammern sich betroffene Eltern an jeden Strohhalm, der ihnen gereicht wird. Aber diese Schule hier scheut sich nicht, einen Strohhalm anzubieten, aus dem nicht nur ein wenig Hoffnung, sondern gleich ewiges, um nicht zu sagen ewig unversehrtes Leben gesaugt werden kann. Daß für sich genommen ist schon eine ganze Menge. Aber auch ganz schön einseitig, weil nur die halbe verkündete Wahrheit, die originalgetreu, im Lichte des nicht mal angedeuteten Dogmas  und ohne opportunistische Kastrationsversuche gar nicht erst verkündet wird. Wendet man nämlich hierauf aber auch gleich noch die ebenfalls von Steiner kompromisslos vertretene Karma- und Reinkarnationslehre an, so müsste den selben Eltern ins Gesicht gesagt werden: Eure Kinder jetzt, so wie ihr sie vor euch habt, büßen für Schandtaten ungeahnten Ausmaßes, die sie in ihrem vergangenen Leben bewusst und vorsätzlich begangen haben. Nur wird man das den Eltern gewiss vorenthalten. Und gewiss auch den staatlichen Kostenträgern, die nach abgewickelter offizieller Anerkennung den größten Teil der laufenden Schulkosten stemmen müssen. Der esoterisch-okkulte Wahnwitz an der ganzen Angelegenheit dürfte zwar niemand ernsthaft vermittelbar sein, der hier zu Recht professionelle und sachlich-kompetente Hilfe erwartet.  Aber er ist virulent, allgegenwärtig und hat sich der verantwortlichen Köpfe derart selbstsicher bemächtigt, daß schon zu klären wäre, warum das da rein gekommen ist, wo die Motive und Anlässe zu suchen sind.  Und – nicht zuletzt – wie es diesem dunkelromantischen Spuk immer wieder gelingt, an Hebel zu kommen, die Verantwortliche und vermeintliche Nutznießer bestenfalls gleichzuschalten sich vorgenommen haben. Dem Entstehen einer mythisch verklärten, unausweichlichen „Schicksalsgemeinschaft“ soll Vorschub geleistet werden… dazu aber noch gegen Ende dieses Beitrags.

„… und mit der Realität zu verbinden.“

 Ganz und gar nicht schwierig, geschweige denn komplex fand der Adressat dann doch noch problemlos die richtigen, obgleich öffentlich nur zu gern in den Hintergrund getretenen Worte:  „In unserer pädagogischen Konferenz erarbeiten wir uns die Inhalte der Menschenkunde Rudolf Steiners, der anthroposophischen Heilpädagogik und den Lehrplan der Waldorfpädagogik.“  Und weil wohl dosierte Schmeicheleien nicht unbedingt erarbeitet werden wollen, aber auf idealistisch verklärter Waldorfebene schlichtweg ein (fließbandmäßig fabriziertes) Muß darstellen, setzt er fort:  „Bei uns stehen die Kinder mit ihren individuellen Anliegen im Vordergrund.“  Solche Versprechen sind natürlich Balsam für die Seele. Man kennt das ja fast gleichauf auch vom Bund der freien Waldorfschulen, dem es wohl- wie hohltönend von den PR-Lippen abgeht:  „Der Mensch im Mittelpunkt„. Nicht, daß man sozusagen voneinander abschreibt, aber in der grob fahrlässigen Nichteinlösung ihrer hochheiligen Versprechen mag man sich offensichtlich durchaus sehr nahe kommen. Was Friedrich W. nicht davon abhält, ihnen inhaltlich auf den Fersen zu bleiben, steht doch weiter geschrieben: „Das heißt für uns, nicht ein „fertiges“ Konzept dogmatisch umzusetzen, sondern kritisch hinzuschauen, sich damit auseinanderzusetzen und mit der Realität zu verbinden.“  Hoppla, ein Konzept, daß noch nicht „fertig“ ist? Ach so, richtig, Steiner wurde nie müde zu betonen, daß alles, aber wirklich alles in ständiger Entwicklung begriffen sei: Menschen, Hühner, Elementarwesen, übersinnlichste Wesenheiten.  Das hat zwar bis heute keinen Anthroposophen daran gehindert, in die Entwicklung seiner Mitmenschen spätestens an dem Punkt rücksichtslos einzugreifen, der der eigenen in vor allem kritisch-reflexiver Weise bedrohlich werden konnte, aber bitte: Es soll ja auch nichts „dogmatisch umgesetzt“ werden, es soll nur Steiner gelesen, erarbeitet und letztlich angewandt werden. Daß genau das ein unauflöslicher Widerspruch in sich ist, hat sich leider nur noch nicht bis überallhin herumgesprochen, offensichtlich auch nicht bin in die Leitungsebene dieser Schule.  „Kritisch hinzuschauen, sich damit auseinanderzusetzen“ dürfte demnach richtig schwerfallen, ist es doch auf dem anthroposophischen Schulungs-, Erkenntnis- und Weltrettungsweg eher hinderlich, mit Dingen konfrontiert zu werden, die ausnahmsweise nicht von Steiner letztgültig interpretiert und erklärt wurden. Der Verweis auf Kritik und Auseinandersetzung dient im Prinzip immer nur dazu, ein liberal-demokratisches Selbstverständnis weiszumachen, daß das Prinzip Steiner nicht zuletzt in seinen Schulen längst ausgehebelt und zunichte gemacht hat. Im Behaupten war man schon immer gut;  aber die Realität konnte da noch nie mithalten, und noch immer fehlt es ihr dafür schlichtweg an eindeutigen Beweisen, ja selbst vagen Indizien.  „…mit der Realität verbinden.“, klingt ebenfalls verlockend. Zudem lässt diese Formulierung fast erwarten, daß man gewillt ist, hier ein einzigartiges Experiment zu starten: Dr. Rudolf Steiner soll der realen Welt verbindlich vorgestellt werden – die möge also bitte gefälligst so freundlich sein und a) von den Naturwissenschaften im Großen und Ganzen Abschied nehmen,  b) Reinkarnations- und Karmagesetze in sämtliche verfassungsgebenden Regelwerke mit hineinnehmen, und c) Atlantier, Lemurier und „Geheimschüler der höheren Ordnung“ bevorzugte Behandlung zuteil werden lassen bei den üblichen Behördenerledigungen. Den Begriff von der Realität also traut man sich immerhin zu verwenden – auch wenn dieser beim schulischen Gründungsgedanken nur insofern eine Rolle gespielt haben dürfte, daß er streng gekoppelt an jenseitige Steiner-Offenbarungen Selbstsucht,  Befangenheit und immer wieder die unverhohlene Lust an überkandidelter Besserwisserei oder gleich stramm-rabiate Überlegenheitsfantasien für sich beansprucht.


Hüter des Dogmas

  Friedrich W. hätte sich eigentlich bequem zurücklehnen können. Konnte er doch nun ganz sicher sein, daß hier offensiv und unangefochten Rudolf Steiner als quicklebendiges Vorbild alle relevanten Bereiche der Schule vereinnahmt und überstrahlt. Auch stimmte ihn die an die zustimmungsheischende Sache mit der Realität anschließende Bemerkung froh, in der noch einmal der ganzheitliche Ansatz wie ein duftender Strauß sonnenverwöhnter Paradiesblumen dargeboten wird:  „Hier werden Erkenntnisse der modernen Schulmedizin, alternative Heilmethoden, andere pädagogische Konzepte, verschiedene Therapien und natürlich die Persönlichkeit der Pädagogen miteinbezogen.“
 Ein solches Angebot befriedigt natürlich so gut wie alle therapeutisch-gesundheitlichen Begehrlichkeiten! Aber das ist auch gut so, die Waldorfpädagogik will schließlich jeden Menschen abholen, wo er gerade steht. Steht er vielleicht erst da, wo ihm Steiner noch nicht essentiell begegnet ist, lacht man ihn eben dort an, um erste harmlose Symphatien einzustreichen. Damit dennoch nichts im Ungefähren bleiben muß, holt man gezielt zum großen Rundumschlag aus und sammelt ein, was absolut angesagt ist (die „alternativen Heilmethoden“), was einem durchaus bekannt vorkommt (die sogenannte „Schulmedizin“) und was – zwingend! – auf die Individualität des involvierten Fachpersonalkreises abzielt („die Persönlichkeit der Pädagogen“).  All das kann keinen potentiellen Interessenten kalt lassen – würde man sich nämlich hinstellen und eindeutig verlautbaren, daß noch so viele Verweise auf egal welche Verfahrensweisen Rudolf Steiner niemals seiner letztgültigen Autorität berauben können:  die Zweifel an jener Einrichtung wären groß genug, staatliche, aber auch private Förderung vorzeitig abzuklemmen. Wobei die staatliche Förderung hierbei auch Interessen nachgeht, die auf gleichzeitige finanzielle Entlastungen aus sind. Ein komplexer Bereich, der getrennt von diesem an anderer Stelle untersucht und behandelt werden muß. Und dennoch: Eine finanzielle Gefährdung  muss natürlich unter allen Umständen vermieden werden, weshalb ein relative Glückseligkeit versprechendes Heilsverfahren-Potpourri wenig überraschend denVorzug erhält.  Man kennt das ja auch von der klassischen Waldorfschule: Auch hier wird auf die verschiedenartigsten Einflüsse in der pädagogischen Ausgestaltung des Unterrichtsalltags deutlich genug hingewiesen. Flankiert von einer alles andere als zurückhaltenden Öffentlichkeitsarbeit (überwiegend Print und Online),  die von den ultramodernsten und kindgerechtesten Bestandteilen in Hinblick auf eine kongeniale Umsetzung aktueller Waldorfpädagogik schwadroniert,  glaubt man sich im Besitz des alleinseligmachenden pädagogischen Universalkonzepts. Daß in Wahrheit aber die entscheidenden Fäden gezogen werden von Personen, die sich der Anthroposophie (und damit Rudolf Steiner) und sonst überhaupt nichts verpflichtet fühlen, bleibt tunlichst im Verborgenen.  Und den Segen für jene in die Waldorfpädagogik miteinbezogenen Ideen, Anregungen, Projekte, etc. (die selbstredend anthroposophisch verwurst- und verwandelbar sein müssen), den erteilen ebenfalls allein die im Hintergrund waltenden Hüter des Dogmas, das bei allen Exkursionen in die Farbpalette der Moderne vollkommen unangetastet bleibt. Somit ergibt sich: Aus all dem, was öffensichtlich diskutiert, dargestellt oder gleich fulminant gepriesen wird, muß  jedesmal wieder ein zweifelssfreier anthroposophischer Kontext hervorgehen. Im Idealfall aber nicht nur das, sondern gleich genuine Erfindung des anthroposophisch-vorausschauenden Avantgarde-Betriebs. Darauf läuft es im Prinzip auch immer wieder zu, wie ein aktuelles Beispiel aus der sinnstiftenden Haus- und Hofzeitschrift „Erziehungskunst“ (Ausgabe Juli/August 2010) belegt. Unter der Überschrift „Was die Kinder im Kindergarten gesund macht“, schreibt der Waldorferzieher Philipp Gelitz: „Schon lange, bevor Salutogenese (Entwicklung zur Gesundheit, d. Verf.) als Begriff in die fachliche Diskussion Eingang gefunden hat, war das Ziel der Waldorfpädagogik die Gesundheit des Leibes als Grundlage für die Gesundheit von Seele und Geist.

„…dieses Ergreifen des Leibes….“

 Hört, hört…! Aber Achtung, Friedrich W. hatte mitgehört. War es ihm doch ein Grundanliegen, überzeugend gesagt zu bekommen, daß Waldorfpädagogik und Gesundheit unzertrennlich füreinander bestimmt sind. Daran ließ er natürlich nicht den geringsten Zweifel, geht das doch schon aus der Gewissheit der totalen Anwendung der Menschenkunde Rudolf Steiners in jener Schule hervor. Und wenn dann wieder und wieder Seele und Geist an ihn herantraten als Begriffe, wie sie nur Steiner beispiellos tiefschürfend erklären konnte, machte ihn das einfach nur glücklich.  Ebenso Textstellen, in denen es unvergleichlich anthroposophisch heißt (von Philipp Gelitz, aus dem bereits genannten Beitrag in der „Erziehungskunst“: “ Im Waldorfkindergarten wird dieses Ergreifen des Leibes und seiner lebendigen Funktionen…“ – Halt, nicht weiter bitte! Wo nämlich ernsthaft vom „Ergreifen des Leibes...“ die Rede ist, darf vorausgesetzt werden, daß Seele und Geist darum streiten, wer zuerst zulangen darf. Kein Problem für Friedrich W., aber ein echter Brocken für Menschen wie du und ich. Weil nämlich ohne okkult-esoterisches Verständnis dieser Darstellungsweise der Aneignung notwendiger menschlicher Fähigkeiten nicht kapiert werden kann, daß hier Gesundheit gedeutet wird als unabdingbare Voraussetzung zum reibungslosen Durchlaufen äußerst unterschiedlicher Daseinsebenen.  Salutogenese nach Waldorf-Art scheint hier ein willkommener Etappensieg auf dem Weg zu unvergleichlicher Herrlichkeit von Geist und Seele.  Noch dazu in der sicheren Annahme, zweifellos zuerst am Drücker gewesen zu sein.  Die Hybris der anthroposophischen Bewegung gehört mit zur Weltspitze. Ebenso ihre Kunst des Strickens von Deckmäntelchen, die über alles ausgebreitet werden, was den Schluß nahelegen könnte, hier soll ein mit klaren Worten nicht definierbarer Gegenstand aus der Schußlinie der Vernunft genommen werden. Das kann aber nur sehr bedingt gelingen, da zu viele verräterische Anspielungen aus ihrem Sprachduktus  hervorlugen. Bis zur Selbstverleugnung will man dann doch nicht gehen, wenngleich etliche vielversprechende Schritte bereits unternommen wurden und noch immer mit beachtlichem Erfolg praktiziert werden. Die sprachlich relevanten Vorgänge um die sogenannte Freie Heilpädagogische Waldorfschule gehören eindeutig mit dazu, allein die direkte persönliche Offenbarung macht das Eigentliche ihrer Absichten transparent und begreiflich.  So auch die nun folgende, die selbst Friedrich W. in dieser Deutlichkeit nicht unbedingt erwartet hätte:

Wir sehen die Zusammenarbeit mit den Kindern, den Eltern und den Kollegen als eine Schicksalsgemeinschaft, die nicht zufällig miteinander zu tun haben, sondern voneinander lernen und sich entsprechend ihrer persönlichen Biographie entwickeln können.“  Friedrich W. war ganz aus dem Häuschen beim Betrachten dieser Zeilen: Sprechen die Damen und Herren Steiner-Gefolgsleute doch tatsächlich von… Schicksalsgemeinschaft?  Und der Zufall ist es auch nicht, der sie bereits zusammengeführt hat und noch weiter zusammenbringt, das Schicksal wollte und will es so. An schwerwiegenden Absichten nicht arm, bedient man sich eines Begriffs, der in der jüngeren deutschen Geschichte einen ebenfalls schwerwiegenden Platz eingenommen hat. Platzanweiser damals: Adolf Hitler. In seinem „Appell an die Nation“, einer Rede zur Reichtsagswahl 1932, machte er am 15. Juli desselben Jahres keinen Hehl aus seinem Ziel: „Denn nicht um Mandate oder Ministerstühle kämpfen wir, sondern um den deutschen Menschen, den wir wieder zusammenfügen wollen und werden, zu einer unzertrennlichen Schicksalsgemeinschaft.“  Ein wenig lässt Friedrich W. diese ungleiche Verwendung des gleichen Wortes doch aufhorchen. Umso mehr, als ihm der Netzauftritt der „Dokumentation Obersalzberg“ (Ständige Ausstellung des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin) die zwangsläufige Evolution dieses Begriffs vor Augen führt: „Der Mythisierung Hitlers zum genialen, omnipotenten „Führer“… entsprach die Mythisierung des Volks zu einer Blut-, Willens- und Schicksalsgemeinschaft, die auf einem biologistischem Volksbegriff beruhte.“ 

 

„… quasi ätherisch das im Weltenganzen manifestieren…“

So versteht das bis dahin dieser offenbar bereits ganz in Steiner aufgegangene Mensch. Friedrich W. wusste noch nicht so recht, was er davon halten soll. Aber er hielt es durchaus für angebracht, daß sich jemand, der sich solcher Worte ganz ungeniert annimmt, um den Status eines zumindest geistigen Führers beizeiten durchaus bewerben sollte. Nicht, daß sich hier schon wieder geschmacklose Parallelen auftun, aber Hitler hat in seiner Rede vom 15. Juli 1932 weiter ausgeführt: „Wenn die Nation ihre Pflicht erfüllt, muß dann einst ein Tag erstehen, der uns wieder gibt ein Reich der Ehre und Freiheit, Arbeit und Brot.“  Ich finde nicht, daß die in beiden Textstellen durchschimmernden Absichten der oberflächlich-klanglichen Anmutung  nach so weit voneinander entfernt sind. Beiderlei Intonationen sind durchsetzt von einem ähnlich hohlen Pathos, ähnlich  deftigen Beschwörungsformeln, und einem durchaus vergleichbaren Sinn für angenommene Wünsche und Ziele der breiten Masse, die in einer segensreichen Zukunft münden mögen. Auf der einen Seite bodenständig und volksnah, auf der anderen  im typisch anthroposophischen Jargon verfasst und atmosphärisch ins Ätherische verlegt und  (schon wegen niemals falscher Rücksichten auf Steiner, versteht sich).

 Auf was aber beruht die anthroposophische Idee der „Schicksalsgemeinschaft„?  Sicher, das „Wollen“ als „seelische Kraft“ gehört durchaus in ihr gängiges Vokabular. Nicht, daß man sich deswegen gleich kleiner oder kleinlicher Gemeinsamkeiten mit den Nationalsozialisten rühmen würde, aber eine unappetitliche Parallelverdichtung  ist es allemal.  Und bestimmte Worte führen unter gewissen, nicht immer vorhersehbaren Umständen ans gleiche Ziel, ob das vorher abgestimmt war oder nicht.  Leider macht man sich das nicht in jedem Fall deutlich genug.  Oder aber man nimmt billigend in Kauf (der großen geistigen Ziele wegen), daß Begriffe wie diese gemeinsam verwendet in einem Topf landen, an dem man sich problemlos seine Moral verbrühen kann. Natürlich würde das keinen Anthroposophen davon abhalten, an den von Steiner geprägten Begriffen festzuhalten, solange sie nur oft und laut genug wiederholt und verbrämt-okkult intoniert werden. Man versteht sich natürlich auf das vollkommen unreflektierte Nachbeten oft immer gleicher ans Licht geholter Worte, weil sie Worte des Lichts sind, wie sie Steiner als Lichtgestalt nunmal nicht anders produzieren konnte. Daß sich seine heutigen Verehrer ebenfalls vehement um sprachlich-inhaltliche Lichtung bemühen, kann man folgendem Zitat entnehmen, daß auf der Website der „Freien Verwaltung des Nachlasses von Rudolf Steiner“ im Forum steht. Ein gewisser „Volkey“ postet ausgerechnet zum Thema „Waldorfschulen als Schicksalsgemeinschaften“ das, was er glaubt, an großartigen Einsichten zu einem schwerwiegenden Begriff  vom Stapel lassen zu müssen: „Was `Schicksalsgemeinschaft` betrifft, empfinde ich eines extrem stark: Das hier (obwohl in der äußeren Form noch von gestern) sehr stark NEUES von Menschen gelebt wird, sowohl von Lehrern als auch von Schülern. Ganz besonders muß man da die starken künstlerischen Lehrinhalte und vor allem die Eurythmie betonen. Wenn SO VIELE Menschen weltweit Eurythmie und das ganze Wesen in den Waldorfschulen durchleben und quasi ätherisch das im Weltenganzen manifestieren, entsteht etwas, das in ZUKÜNFTIGEN Inkarnationen ein HAUPTTRAGENDES sein wird, ZUM VERWANDELN DER GESELLSCHAFTLICHEN KULTUR HIN ZU EINER GESELLSCHAFT MIT DEM ANTLITZ DES MENSCHEN. Das ist also ZUKUNFTSKarma. So ist das – glaube ich – zu verstehen.“ 
 

„… daß jeder für den anderen leidet und lebt.“

  Aber damit nicht genug. Der gute Mensch aus dem alle Vernunft sprengenden Forum von FVN-RS (so die Abkürzung für die „Freie Verwaltung des Nachlasses von Rudolf Steiner“) gönnte Friedrich W. keine Verschnaufpause:  „Also nichts altbackenes von gestern, sondern das moderne, daß sich in den nächsten Inkarnationen aufblühend zeigen wird – gewaltige Umwandlungskräfte setzt das frei. Weil man muss immer sehen, wie das Besondere der Steinerschen Methode, wenn man nach dem Leben das in der Waldorfschule erlebte noch einmal verdichtet (zwischen Tod und neuer Geburt), dann die neuen Kräfte aus der Sonnensphäre dazu kommen und von dem kosmischen Christus – das gibt eine Art gewaltige Kraft im Sinne, dass man dem erliegt, was einem im Leben mitreißt und beflügelt.“
 Angesichts dieser Worte war Friedrich W. ein wenig mulmig geworden. Ganz traute er es sich noch nicht einzuräumen, aber diese eine Feststellung ging ihm dann doch vermehrt im Kopf herum: Anthroposophen und andere besessene Waldorfbewegte tummeln sich auf einem gefährlichen Terrain. Gut, im Zusammenhang mit Schicksalsfragen konnte er sich noch an eine Erklärung von Steiner erinnern, die dieser in Hinblick auf Christus in einem Vortrag in Paris zum Thema Kosmogonie (griech.: Weltzeugung) am 13.06.1906 gemacht hat (GA 94, 2. Aufl. 2001): „Das Schicksalsgesetz ist die stufenweise Erlösung, der Christus ist der Erlöser. Wenn die Menschen sich mit diesen Ideen durchdringen würden, daß sie zueinander gehören, und würden das Gesetz begreifen, das in den okkulten Bruderschaften herrscht: dass jeder für den anderen leidet und lebt.
  Ach so, so eine Art „Schicksalsgemeinschaft“ schwebt denen in der Schule vielleicht vor, mutmaßte Friedrich W. still vor sich hin.  Daß jeder da ist für den anderen, für ihn Leid auf sich nimmt und gar ganz für ihn lebt. Regierungsnahe Kreise in Deutschland zwischen 1933 und `45 hätten hieran ihre helle Freude gehabt. Heute noch diese Maxime vor sich herzutragen (natürlich ohne sie an die ganz große Glocke zu hängen) erfordert durchaus hohen idealistischen Mut. Aber dafür sind anthroposophische Kreise ja wiederum bekannt: Für den Mut, sich der Welt mit ihrem ganzen radikalen Idealismus entgegenzustellen, auch auf die Gefahr hin, sich dabei mit traditionell rechtem Gedankengut anzufreunden. Was geht hierbei bewusst oder unbewusst vor sich? Man ist fast geneigt zu sagen, eine Ironie des Schicksalglaubens: Ausgerechnet da nämlich, wo so erhaben, beinahe flehend von Bewusstsein („Die Waldorfpädagogik versucht lebendigen Unterricht künstlerisch durchzuführen und seine Voraussetzungen mit Bewusstsein zu durchleuchten.“,  A. Amoor in der „Erziehungskunst“) die Rede ist, öffnet man scheinbar unbewusst die Tür zu rechten Räumen. Und gibt damit den Weg auch von anthroposophischer Seite frei für eine traurige Einschätzung, wie sie Martin Windisch, seines Zeichens Projektleiter der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus, dargelegt hat (Süddeutsche Zeitung vom 21.06.2010): „Die Akzeptanz rechtsextremer Ansichten und Aussagen nehme in der Gesellschaft deutlich zu.“  Was also reitet manche Waldorfbewegte, ihren Teil dazu beizutragen, dieser besorgniserregenden Entwicklung Vorschub zu leisten?
 

 Geheimwissenschaftliche Heimsuchung

  Idealismus ohne eine Riesenportion Naivität ist nicht vorstellbar, Friedrich W. war sich darüber völlig im Klaren. Aber mußte man sich deswegen gleich mit Begriffen wie das von der „Schicksalsgemeinschaft“ übernehmen, daß eindeutige und fatale Zusammenhänge nicht verleugnen kann?  Noch dazu in der dogmatisch begründeten Abkehr vom Glauben an den reinen Zufall, den es auch in ihren Augen nicht geben kann, weil ihn schon Rudolf Steiner vor dem Hintergrund seiner Karma- und Reinkarnationslehre als vollkommen ausgeschlossen hat. Denn man hat ja keineswegs vergessen, die reine anthroposophische Lehre sprachlich vorläufig zu runden: Die „Seelen-pflegebedürftigen“ Kinder sollen sich ja nicht anhand ihrer aus medizinischer und therapeutischer Sicht zu erwartenden Perspektiven entwickeln, aber nein, ausgeschlossen. Sie müssen es tun „entsprechend ihrer persönlichen Biographie.“  Die jedoch haben sie bereits aus ihren vergangenen Leben mitgebracht, und die ist nach Steiner spirituell-vorschriftsgemäß einzuhalten. Somit ist sie quasi so gut wie abgeschlossen, und daran kann und darf nicht gerüttelt werden.  Es ist den Kindern mit Handicap (an dieser Schule vor allem mit geistigen Defiziten) nicht gestattet, sich zufällig und absichtsfrei ins hier noch unvorhersehbarere Abenteuer Leben stürzen zu dürfen. Immer sind Waldorfpädagogen vor, die es besser wissen wollen. Weil sie sich fortlaufend  „die Menschenkunde Rudolf Steiners erarbeiten“.  Womit zwar nicht wirklich an ein heutig nachvollziehbares Ziel gelangt werden kann, aber viele Erkenntnisse, die ein halbwegs normales, im Wortsinn einzigartiges Leben praktisch ausschließen. Diese besonderen Ausprägungen einer okkult aufgeladenen psychosozialen Besserwisserei, die sich aus vermeintlich höherem Wissen speist, verleitet unwillkürlich zum Einnehmen einer Machtposition,  aus der heraus anmaßende Beurteilungen abgefasst werden (müssen). Nun ja, man hat es ja „nicht zufällig miteinander zu tun“, also weiß die oder der in der betreuenden Herangehensweise verankerten Funktion mindestens genauestens Bescheid über die zu betreuenden „Seelenpflege-bedürftigen“.  Da bleibt keine unvorhersehbare Lücke, weil in hellsichtiger Weise mindestens das Meiste an biographischen Details vorhergesehen wurde. Diese Ausfaserungen dogmatischer Verbohrtheit sind es, mit der sich Menschen den Anschein geben, sie wüßten es besser, sie verständen es besser, und könnten somit am Ende besser helfen als alle anderen zusammen. Mit den in diesem Fall tatsächlichen vorhersehbaren Ergebnissen dieses Anscheins bauen sie sich dann ihre gemeingefährlichen waldorfpädagogischen Nester, in denen sie ausbrüten, wer oder was als Nächstes der geheimwissenschaftlichen Heimsuchung bedarf.  Gerade  Menschen mit Handicap kann man so wunderbar widerstandslos seine eigenen Ansichten überstülpen, immer in der totalen Gewissheit,  daß es hier ja sowieso kein Entkommen aus der „Schicksalsgemeinschaft“ gibt. „Wie erlangt man Kenntnisse der höheren Welten?“, heißt ein maßgebliches Werk Rudolf Steiners. Jene angeblichen Kenntnisse sind munter hineingefallen in jene Nester, und da drinnen behält man sie dann auch zunächst für sich. Man teilt es höchstens mit Erkenntnissen, wie sie Hitler zur gezielten Verführung eines ganzes Volkes eingesetzt hat. Oder mit wahnsinnig Gewordenen aus ihren eigenen Reihen, weil die so drastisch-plastisch Erkenntnisse in entgleist-verrückte Darstellungen unserer Wirklichkeit umzumünzen verstehen.  Oder aber man zieht sich gleich komplett zurück in die geistigen Baupläne ihrer Nester, wo all das noch Bestand hat, was sich später als vollkommen verfehlt herausstellen wird. Auch das ein wichtiger psychologischer Baustein auf dem Weg zu einem gemeingefährlichen Dasein als verlängerter Arm Rudolf Steiners in unsere Zeit, um ihm auch heute noch das Gefühl geben zu können: War nicht alles falsch, was Herr Doktor vermitteln wollte. Sind nur die Menschen, die sich mehr oder weniger zufällig der „Schicksalsgemeinschaft“ aus Geistselbst, Welt und Kosmos zu verweigern trachten…
Erhoffte Antworten

 Eigentlich hatte ja alles ganz vielversprechend für Friedrich W. angefangen. Er bekam die Antworten, die er sich erhofft hatte. Er erhielt die waldorftypischen Floskeln, in denen er es sich so behaglich einrichten konnte. Und auch der verwendete Tonfall gefiel ihm, fühlte er sich doch schon allein dadurch individuell betrachtet und angenommen. Bloß die auf den weiteren Wortlaut einsetzenden Einsichten, die machten ihm doch sehr zu schaffen. Vielleicht, weil er vorher nicht lange und intensiv genug darüber nachdedacht hatte. Oder weil er sich weigerte, gewisse unveränderliche Bestandteile eines Dogmas konsequent zu Ende zu denken, daß ihm doch so sehr ans Herz gewachsen war.  Angesichts der mehr und mehr bedrückenden Antworten, die er erhielt, ohne sie überhaupt angefragt zu haben, gelobte er Besserung. Umgehend wolle er damit anfangen, nicht alles zu glauben, was ihm aus allzu aufdringlich in fernen Sphären stattfindender Wortballerei entgegenschoß. Und daß Waldorfpädagogik und Anthroposophie problemlos gleichzusetzen sei mit einer in allen Belangen überlegenen Welt- und Menschensicht, davon wolle er als gleich zu Beginn ordentlich Abstand nehmen. Allein der dort gepflegte Umgang mit haarsträubenden Begriffen wie zum Beispiel „Schicksalsgemeinschaft“ möge aus ihm einen anderen, einen sich wieder der menschlichen Vernunft zuwendenden Zeitgenossen machen. Überhaupt, haarsträubend: Ließe sich diese Bezeichnung nicht ganz allgemein auf den monströsen „Leib“ der Anthroposophie anwenden?

Nachtrag vom 12.08.2014:

Wie aktuell und auch in den ganz gewöhnlichen (schulischen) Alltag eingreifend der Begriff „Schicksalsgemeinschaft“ für die anthroposophische Bewegung noch immer ist, unterstreicht eine Veranstaltung an der „Freien Waldorfschule Freiburg St. Georgen“ am 14. Oktober 2014, Titel: „Mobbing oder Schicksalsgemeinschaft? Über den Umgang mit Konflikten im Beziehungsfeld „Schule“ und den menschenkundlichen Grundlagen Rudolf Steiners“. Der Waldorflehrer und Leiter der Akademie für anthroposophische Pädagogik in Dornach, Marcus Schneider, hält einen Vortrag zu diesem Thema. Übersetzen ließe sich der gewählte Titel vielleicht auch mit: Halten wir in unserer Klasse/Schule zusammen, wie es eigentlich vorherbestimmt ist aus der „Geistigen Welr“, oder ergeben wir uns profanen irdischen Mechanismen aus den Schattenbereichen menschlichen Wirkens…?

  

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7 Gedanken zu “Von Seelenpflegern und Rebellen wider dem Zufall

  1. Am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“ haben wir „gelernt“, dass der Behinderte in seinem letzten Leben „gesündigt“ hat, und deshalb behindert zur Welt kommt. Die Behinderung gibt ihm die „Chance“, sein Karma abzuarbeiten.

    Dokumentiert u.a. vom ZDF, Frontal 21, Sendung vom 18. April 2006, „Von Ariern und primitiven Rassen – Steiners Lehren und die Waldorfschulen“:

    „(…) Die offizielle Zeitschrift des Bundes Freier Waldorfschulen beruft sich auch auf die Wiedergeburtstheorie Steiners. Nach der sind Krankheiten und Behinderungen schicksalhaft vorherbestimmt, Zitat:

    »Die Verwandlung von Lügenhaftigkeit über die Scheu zur Schwachsinnigkeit im nächsten Leben ist eine spirituelle Gesetzmäßigkeit, die der Geistesforscher Rudolf Steiner entdeckt hat.«

    O-Ton, Markus Beauchamp, Ex-Waldorfseminarist:

    »Das bedeutet nichts anderes, dass im vorangegangenen Leben dieser jetzt behinderte Mensch irgendwas Schlechtes gemacht hat, was Sündiges, sei es er wäre ein Lügner gewesen. Das muss er jetzt in seiner Jetztzeit sühnen.« (…)“

  2. Markus Beauchamp und ich bekamen unsere Steiner-Gehirnwäsche am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“ von 2001 – 2002.

    Aber auch für die Zeit danach gibt es Zeugen für den menschenverachtenden Wahnsinn, der bei der Waldorflehrer-„Ausbildung“ verbreitet wird:

    http://www.novo-magazin.de/88/novo8857.htm

    „Inkarnieren zum Klavier

    Nicole Glocke über ihre Erfahrungen am Seminar für Waldorfpädagogik in Berlin.

    (…) Ich meldete mich zu einem weiteren Referat. Meine Aufgabe bestand darin, den „Heilpädagogischen Kurs“ von Rudolf Steiner zusammenzufassen. „Die Art, wie der Mensch aus dem vorirdischen Dasein mit seinem Karma ankommt, entscheidet über seine physische Funktion“, referierte ich brav. „Kommt er beispielsweise so an, dass er seinem Karma gemäß das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem nicht ordentlich durchdringen kann, so wird dieses in kümmerlicher Weise mit dem Ätherleib versorgt, und der Mensch hat dann seinen Ätherleib in der Kopfgegend ordentlich ausgebildet, in der Unterleibsgegend hingegen nicht. Steiner sagt, dass wir uns darüber im Klaren sein müssen, dass wir einen mangelhaft ausgebildeten Ätherleib bei zahlreichen seelisch minderwertigen Kindern vorliegen haben.“ Herr Fuchs griff ein. „Mit ’seelisch minderwertig‘ meint Steiner die gehandicapten Kinder“, erklärte er. (…)“

  3. „Herr Fuchs“ ist Michael Handtmann, Leiter des „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“, siehe:

    http://www.novo-magazin.de/71/novo7138.htm

    „Wundersame Waldorf-Pädagogik oder Atlantis als Bewusstseinszustand

    (…) „Das macht nichts“, antwortet Herr Fuchs, „niemand erwartet von Ihnen, dass Sie Anthroposoph werden … Sie sollten schon ein wenig Offenheit für weltanschauliche Fragen mitbringen, mehr nicht …“ (…)“

  4. „Herr Fuchs“, aka Michael Handtmann, taucht auch in diesem Brief an die Berliner Schulaufsicht auf, die UMFASSEND über die sektenartigen Zustände am „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“ informiert wurde, aber nicht handelte:

    “M.S.

    an:

    Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung
    Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner
    Beuthstr. 6-8
    10117 Berlin

    Bitte um staatliche Prüfung der Lehrerbildung und damit verbundener Lehrinhalte am Waldorf- Lehrerseminar Berlin- Mitte

    Berlin, 28.2.2007

    Sehr geehrter Prof. Dr. Zöllner,

    ich habe von September 2006 bis Ende Februar 2007 an der Weiterbildung zum Waldorflehrer/ Abendkurs am Seminar für Waldorfpädagogik e.V. in Berlin- Mitte, Weinmeisterstraße 16, 10178 Berlin, teilgenommen.

    Was dort als Lehrerbildung bezeichnet wird, ist meiner Erfahrung nach die Vermittlung anthroposophisch- esoterischer Inhalte, ohne Duldung sachlicher Kritik, die seitens der teilnehmenden Seminaristen geäußert wurde. Zur Weiterbildung gehört die Besprechung und Auslegung esoterischer Texte des Begründers der Anthroposophie Rudolf Steiner. Diese Besprechungen und Auslegungen haben den Charakter einer ideologischen Schulung, die das anthroposophische Menschenbild im zukünftigen Lehrer fest verankern soll. Das bedeutet, dass die äußerst fragwürdigen Anschauungen Steiners in den zu lehrenden Unterrichtsstoff der Waldorfschulen einfließen.

    Noch vor Beginn des Seminars wurde mir vom Dozenten und Seminarleiter Michael Handtmann beim Vorstellungsgespräch versichert, dass ich keinesfalls zum „willigen Schüler Rudolf Steiners“ ausgebildet werden solle. Das Gegenteil war der Fall. Ich möchte klarstellen, dass ich nicht im Verlauf einer offenen Auseinandersetzung das Seminar verlassen habe, sondern schlicht um eine Auflösung meines Lehrgangsvertrages gebeten habe.

    Viele meiner Mit- Seminaristen waren ebenso verwundert und abgestoßen von der Indoktrination esoterischer Schulungsinhalte, doch offene Kritik kam nur bei den wenigsten auf. Grund dafür ist die berufliche und ökonomische Lage der meisten Seminaristen, die sich durch die Weiterbildung zum Waldorflehrer eine berufliche Perspektive erhoffen. Die meisten der Seminaristen sind ebenso wie ich über 30 Jahre und älter – viele von ihnen von Arbeitslosigkeit bedroht. Da Kritik von den Dozenten des Seminars mit Schweigen oder beleidigter Ablehnung beantwortet wurde, ist es nicht verwunderlich, dass die Mehrheit schweigt, obwohl viele anders denken – niemand möchte seinen zukünftigen Arbeitsplatz gefährden.

    Zur Methodik des Unterrichts: Ich besuchte die Oberstufenmethodik. Auch hier war die Grundlage jeglicher Betrachtung seitens der Dozenten Rudolf Steiner: alles beginnt und endet mit ihm. Jede Empfehlung, jedes Betrachten des Schülers und des Unterrichts wird durch die Texte Steiners erklärt und interpretiert. Da bleibt kein Raum für Veränderungsvorschläge oder eine wissenschaftliche Auseinandersetzung – ein Vergleich mit pädagogischen Standardwerken findet nicht statt.

    Ich frage mich ernsthaft, wo dabei das eigene Denken eines zukünftigen Lehrers bleiben soll, es wird einfach ersetzt, denn die obskuren Schriften Steiners liefern nach Ansicht der Dozenten die Antworten auf alle Fragen. Diese Art von Lehrerbildung verstößt gegen das Selbstbestimmungsrecht im Denken und Handeln der Teilnehmer, sie ist sektiererisch und esoterisch- ideologisch. Deshalb bitte ich sie nachdrücklich, das Aufsichtsrecht des Staates zu nutzen, um die Lehrerbildung des Seminars für Waldorfpädagogik eingehend kritisch zu prüfen.

    Mit freundlichen Grüßen

    M.S.”

  5. Wir haben am “Seminar für Waldorfpädagogik Berlin” auch die Physiognomik durchgenommen: An der Schädelform, etc., lässt sich laut Anthroposophie der Charakter des Kindes bestimmen.

    (zur Pseudowissenschaft Physiognomik: http://de.wikipedia.org/wiki/Physiognomik )

    Als wir zukünftigen Waldorflehrer das “lernten”, habe ich mal ganz vorsichtig gefragt – ich wollte ja noch meine Studienurkunde bekommen:

    “Sollte man nach DER Geschichte – dem Nationalsozialismus – nicht vorsichtig mit der Schädelkunde umgehen?”

    Der Dozent Wilfried Jaensch gab zu verstehen, dass es nur auf die “richtige” – also: anthroposophische – Haltung ankomme.

    Hier mehr zum Anthroposophen Wilfried Jaensch:

    “Anthroposophische Vergangenheitsbewältigung.”

    http://reflexion.blogsport.de/2010/09/04/anthroposophische-vergangenheitsbewaeltigung/

  6. Rudolf Steiner und die seelenpflegebedürfigen Kinder

    Rudolf Steiner sprach oder schrieb niemals von Seelenpflegebedürftigkeit, sondern ausschließlich von Minderwertigkeit, wenn er sich über Behinderte ausließ. Ohne jede fachliche Ausbildung agierte Steiner als Arzt und verordnete kranken und behinderten Kindern intravenöse Blei-Therapien, um so kosmischen Gesetzen gerecht zu werden. Steiner und seinen Anhängern gelten Menschen mit Behinderungen als Leidtragende ihrer eigenen Missetaten aus einem früheren Leben, für die sie zu büßen hätten. Ihr berufliches Engagement in diesem Bereich hat andere Motive und Ziele als das Wohlergehen der Behinderten.

    http://www.atheisten.org/forum/viewtopic.php?f=22&t=9842

    Ich bin selbst anthroposophisch Traumatisiert 😉 Meinen Bericht hierzu gibts unter http://www.siebenzwerge-report.info

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