„Da täuschen Sie sich…“

Noch bis einschließlich 03. Oktober 2010 dauern die beiden im Wolfsburger Kunstmuseum angesiedelten Ausstellungen, die sich Steiner auf sehr unterschiedliche Herangehensweisen annähern wollen. Betitelt mit „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ sowie „Rudolf Steiner. Die Alchemie des Alltags“ (verlängert bis zum 21.November 2010!) darf sich der Begründer der Anthroposophie einmal als Quelle künstlerischer Inspiration feiern lassen, ein zweites Mal als Mensch wie du und ich mit allerlei authentisch dokumentierten Gebrauchsgegenständen im alltäglichen Rahmen, um gleichzeitig doch aus demselben zu fallen.  Wesentlich öfter als drei Mal musste ich mit dem Kopf schütteln,  als ich die von Veranstalterseite versprochene weltanschaulich-kritische Neutralität der Wolfsburger Ausstellungen nicht mehr hinreichend gewährleistet sah. Und auf einmal stand noch dazu eine dreiste Lüge im Raum. Eine Lüge, die offenbar vertuschen sollte, inwieweit organisierte Anthroposophie bereits manipulativen Einfluss auf große öffentliche Ereignisse nimmt. 
 
Aufwand und Konzept der auf Ergänzung und Erweiterung angelegten Ausstellungen ist geeignet, der Anthroposophie außerhalb ihres eigenen Kontextes zu bedeutend mehr Ansehen und Aufmerksamkeit zu verhelfen als dies anderweitigen Versuchen bis dahin  gelungen wäre.  Diese Einschätzung teilt auch das „Goetheanum“ in Dornach. In einer Pressemitteilung vom 19. Mai 2010 heißt es:  „Es ist ein Geschenk der Kulturwelt an Rudolf Steiner und damit auch an die Anthroposophie und das Goetheanum. … Mit der Doppelausstellung in Wolfsburg wird Rudolf Steiner selbst ins Licht des kulturell-geistigen Lebens gerückt.“  Und lobend wird hinzugefügt:  „Rudolf Steiner wird konstruktiv und wohltuend sachlich vorgestellt.“
Wohltuend sachlich? Verbirgt sich hinter dieser Formulierung etwa die Angst, man hätte Steiner ja auch gänzlich anders präsentieren können? Zum Beispiel als jene intellektuell-psychologisch außer Rand und Band geratene Figur aus dem späteren 19. und frühem 20. Jahrhundert, die nie Anschluß halten wollte an nachprüfbare, rational gewonnene Erkenntnisse, wie sie die Naturwissenschaften, aber auch die Psychologie mehr und mehr in den Dienst der Aufklärung stellten?  Erkenntnisse, die seinen okkulten Sichtungen und parawissenschaftlichen „Forschungsergebnissen“  umfassend entgegenstanden. Sind er derlei Bedenken, die im Prinzip nicht angebracht sind, weil schon der Direktor des Wolfsburger Kunstmuseums, Prof. Dr. Markus Brüderlin, der Forderung Ausdruck verlieh, daß es „an der Zeit sei, mit dem Vorurteil vom verstaubten, esoterischen Spinner aufzuräumen“, deretwegen man recht froh ist über die Entdeckung der Sachlichkeit in Sachen Steiner? Museumsdirektor Brüderlin hat während der Eröffnungsveranstaltung der beiden Ausstellungen aber noch mehr gesagt. Er hat festgestellt, daß Steiner „auch ein ganz normaler Mensch gewesen ist, dessen Lieblingsspeise Frankfurter Würstchen mit Cognac und schwarzem Kaffee gewesen ist.“  Ein ganz normaler Mensch? Sein selbst postuliertes Lebensziel stellt sich weniger alltäglich dar:  „Ich kann nur immer wieder sagen: ich will nichts haben, am wenigsten, was so viele Menschen Glück nennen. Solches Glück ist mir nichts. Ich will bloß wirken.“ (Aus einem Brief Rudolf Steiners an Anna Steiner, 11.April 1904). Wenn es sonst nichts ist… obwohl die Auswirkungen selbsternannter Wirkender nicht selten das Glück der Menschen komplett hinter sich gelassen haben.   Steiner als Mensch, der dem Lebensglück im herkömmlichen Sinn nichts abgewinnen konnte. Anders hätte er es aber auch nicht bis ins Jahr 2010 und ins niedersächsische Wolfsburg geschafft, schon gar nicht als gleich doppelte Aufforderung an Menschen wie du und ich, seinen übergeordneten Vorstellungen von Kunst und Leben betrachtend und reflektierend beizuwohnen.   Um Reflexion und konkrete Antwort bat ich auch Frau Rita Werneyer. Sie ist Leiterin für Kommunikation und Visuelle Bildung am Kunstmuseum Wolfsburg und damit verantwortlich für die öffentliche Darstellung sowie Vermittlung der Steiner-Ausstellungen. In einem Interview gab sie mir freundlich und geduldig Auskunft auf einige Fragen.                         

 
  
Frau Werneyer, auf wessen Idee bzw. Anregung hin wurden die Steiner-Ausstellungen konzipiert und realisiert?                           
 
Rita Werneyer: Die Ursprungsidee für die Ausstellung hatte Alexander von Vegesack, der Leiter des Vitra Design Museums. Es selbst sammelt Möbel und hat Anfang der 90er Jahre – noch ohne besonderes Vorhaben – Steiner-Möbel aus Haushaltsauflösungen in der Nähe von Weil am Rhein bzw. Dornach gesichert. Steiner in seiner Bedeutung für die Formensprache in Design, Architektur und Kunst vorzustellen: diese Idee entwickelte sich nach und nach, bis schließlich das große Gemeinschaftsprojekt mit den beiden Ausstellungen „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ und „Rudolf Steiner. Die Alchemie des Alltags“ entstanden ist mit den Partnern Vitra Design Museum, Kunstmuseum Wolfsburg und Kunstmuseum Stuttgart.                                
 
Gab es denn eine Ausstellungs-Unterstützung gleich welcher Art seitens der Anthroposophischen Gesellschaft Deutschland? Also gab oder gibt es eine beratende Funktion, wurde oder wird organisatorisch oder finanziell unter die Arme gegriffen?

Rita Werneyer: Unterstützung in historisch-fachlichen Fragen erhielten wir durch Walter Kugler, dem Leiter des Rudolf-Steiner-Archivs in Dornach in der Schweiz. Außerdem erhielten wir Leihgaben aus der Kunstsammlung des Goetheanum, ebenfalls in Dornach. Die Akteure innerhalb unseres Ausstellungsprojektes sind selbst keine Anthroposophen, ebenso wenig wie die Künstler, deren Werke zu sehen sind.                                 
 
Demnach erhalten sie finanzielle Unterstützung nur von Volkswagen Financial Services, ist das richtig?                                
 
Rita Werneyer:  Volkswagen Financial Services unterstützt uns seit vielen Jahren in unserem Ausstellungsprogramm als Ganzes, unabhängig vom Einzelthema.                            
 
Lassen sie mich an dieser Stelle bitte nachhaken. Aus dem Grund nämlich, weil Volkswagen und Porsche mittlerweile eine gemeinsame Unternehmensgruppe bilden. Ein Spross der Porsche-Dynastie ist Daniell Porsche. Daniell Porsche ist bekennender Anthroposoph und betreibt federführend seit geraumer Zeit mehrere anthroposophische Einrichtungen in Österreich, so eine heilpädagogische Waldorfschule (Paracelsus-Schule Salzburg), ein Bio-Restaurant (Gasthaus Schützenwirt) und eine kulturelle Einrichtung (Kulturzentrum St. Jacob). Zudem ist er Geschäftsführer des sogenannten Odeion Kulturforums Salzburg mit dem Dorothea Porsche Saal. Eine mögliche Unterstützung der Ausstellung von dieser Seite wäre daher nicht unbedingt ausgeschlossen. Wussten Sie von dem intensiven anthroposophischen Engagement von Daniell Porsche?        

Rita Werneyer: Danke für diese interessante Information, aber ein Zusammenhang zwischen Porsche und unserem Ausstellungsprojekt besteht in keinster Weise. Und wie gesagt, Volkswagen Financial Services ist schon lange Jahre Sponsor-Partner des Kunstmuseum Wolfsburg.           

Ein wenig stutzig hat mich auch der auf ihrer Website publizierte Informationstext zu beiden Ausstellungen gemacht, der ja im ersten Absatz völlig identisch ist. In Stil, Diktion, Wortwahl und inhaltlicher Ausrichtung tritt meiner Meinung nach ganz deutlich eine mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie tendenziös sympathisierende Handschrift zutage. Täusche ich mich da vielleicht, oder wer hat diesen PR-Text zu verantworten?              

Rita Werneyer: Ja, da täuschen Sie sich. Wir behandeln unsere Ausstellungsthemen stets differenziert. Und so haben wir uns auch mit dem Themenkomplex Steiner kritisch auseinander gesetzt. In unseren Ankündigungstexten zur Ausstellung (die wir als Kommunikateure verantworten) lesen Sie, dass wir Steiner auch „ent-steinern“ wollen. 

Abschließende Frage: Wie stehen Sie persönlich zu den Ausstellungen rund um Rudolf Steiner?

Rita Werneyer: Unsere Ausstellungen präsentieren Steiner zum ersten Mal außerhalb des anthroposophischen Kontextes. Ich selbst habe mich erst bei den Vorbereitungen zu unserem Projekt mit dem „Kosmos Steiner“ befasst und kann sagen, dass das Thema sehr spannend ist. 

Frau Werneyer, vielen Dank für dieses Gespräch!

„…einige Bezüge zu Rudolf Steiner…“

Bei der Frage nach den Ideengebern für das gemeinsame Ausstellungsprojekt nahm zunächst das Vitra Design Museum und sein Leiter Alexander von Vegesack breiten Raum in der Antwort ein. Erst ganz zuletzt verwies Frau Werneyer auch auf das Kunstmuseum Stuttgart.  Das Kunstmuseum Stuttgart. Stuttgart. Diese Stadt weckt in bestimmten Zusammenhängen ganz bestimmte Assoziationen. Nicht zu Unrecht:  „Ich weiß, daß es hier in Stuttgart einige Bezüge zu Rudolf Steiner gibt, hier hat die Anthroposophische Gesellschaft ihren Sitz, hier wurde die erste Waldorfschule errichtet.„, stellt Ulrike Groos (im Stuttgarter Wochenblatt vom 28.07.2010) fest, Nachfolgerin von Marion Ackermann an der Spitze des Kunstmuseums Stuttgart seit September 2009. Marion Ackermann selbst war von 2003 bis August 2009 Direktorin, damit also auch im Zeitraum der langwierigen Vorbereitungen der Wolfsburger Doppelausstellung.  Stuttgart hat sicher einen festen Platz in der Reihe der Unterstützer, Frau Ackermann mag dabei eine wichtige Funktion einnehmen:  Die Kunsthistorikerin  Ackermann promovierte 1995 mit einer Arbeit über die autobiographischen und theoretischen Texte Wassily Kandinskys.  Der wohl bekannteste kunsttheoretische Text  Kandinskys ist seine 1911 veröffentlichte Schrift „Über das Geistige in der Kunst“, die sich neben anderen theosophischer wie auch anthroposophischer Anleihen bediente, um die Relevanz des „Geistigen“ für die zukünftige Kunst (Stichwort: Abstrakte Kunst) herauszustellen.  Die relative Nähe Kandinskys zu Steiner, sein auffallendes Interesse an Anthroposophie war offenkundig: „Derjenige, welcher sich ernster und eingehender mit den Gedanken der Anthroposophie beschäftigte, war Wassily Kandinsky. Als wir (Maria und Alexander Strakosch) im Frühjahr 1908 mit ihm einige Zeit in Berlin verbrachten und selbst erst mit Rudolf Steiner in Berührung kamen, begleitete er uns immer in die Architektenhaus-Vorträge Rudolf Steiner, welche wir stets besuchten. Rudolf Steiner seinerseits zeigte an der Arbeit Kandinskys besonderes Interesse.“ (anthroposophie-muenchen.de/Die Münchener Künstler).
Seit September 2009 ist Frau Ackermann künstlerische Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Aktuell mit eindeutiger Absicht: Am 11. September diesen Jahres (bis 16.01.2011) eröffnet ebendort in Düsseldorf die umfassend angelegte Ausstellung  „Joseph Beuys. Parallelprozesse.“  Daß Beuys die anthroposophische Kunst-Ikone schlechthin ist, muß nicht extra herausgestellt werden. Beuys selbst ließ sich ebenfalls nicht lumpen und unterstellte schon mal, daß jeder Mensch ein Anthroposoph sei (neben der beliebten und bekannten Gleichung, daß jeder Mensch ein Künstler sei). Auch im offiziellen Ankündigungstext erschließt sich das recht flott, wenn es heißt:  „Damit folgt das Projekt in gewisser Weise Beuys` eigener Denkbewegung, in der sich Ahnung und Erkenntnis, Intuition und Deduktion, also letztlich Gefühl und Vernunft bedingen und ergänzen.“
Eher noch lässt die Nachricht aufhorchen, die der Goetheanum-Autor Roland Halfen in der Ausgabe Nr. 29 – 10 von „Das Goetheanum“  (Zentralorgan der anthroposophischen Bewegung) in seinem Artikel „Was Wolfsburg zeigt“ verarbeitet: „Daneben wird für die großzügige Unterstützung durch die Kulturstiftung des Bundes nicht nur die allgemeine Ansicht maßgeblich gewesen sein, daß Steiner als Kulturfaktor heute von allgemeinen Interesse ist, sondern auch die persönliche Fürsprache durch die ehemalige Leiterin des Kunstmuseums Stuttgart, Marion Ackermann, die aufgrund ihres Wechsels von Stuttgart nach Düsseldorf zum entscheidenden Gremium gehören durfte.“  Das ehrt Frau Ackermann natürlich, daß sie ihr Scherflein dazu beigetragen hat, der Wolfsburger Ausstellung auch finanziell auf die Sprünge geholfen zu haben.  Auf anthroposophischer Seite jedenfalls wird man ihr selbstloses Tun mit großem Respekt und ganz viel Dankbarkeit quittiert haben.  Und im Prinzip sollte nicht ihre Nachfolgerin in Stuttgart, Ulrike Groos, sondern sie selbst als wissenschaftliche Beraterin der Ausstellung neben Walter Kugler und Markus Brüderlin aufgeführt werden. Hinreichend Know-how dafür hätte sie jedenfalls mitgebracht…


„Beschäftigung mit dem Unsichtbaren…“

Durchaus vergleichbare Gefühle werden sich auf dieser Seite auch bei Gedanken an den Wolfsburger Museumsdirektor Markus Brüderlin eingestellt haben. Nicht, daß Herr Brüderlin ein ausgemachter Anthroposoph wäre – Frau Werneyer hat ja bereits im Interview abgestritten, daß maßgebliche Personen „innerhalb unseres Ausstellungsprojektes“ Anthroposophen wären.  Dabei hört sich Herr Brüderlin im O-Ton gar nicht mal so weit weg von anthroposophischer Menschen- und Weltbetrachtung an. Daß er sich wie Frau Ackermann der abstrakten Kunst für seine Promotionsarbeit verschrieben hat, ist dabei zunächst von völlig untergeordneter Bedeutung. Aber lesen wir, was er zu sagen hat, und entscheiden dann, wohin sich das Gesagte eventuell orientiert und festmacht. Im Hinterkopf sollte dabei die ebenfalls im Interview gemachte Feststellung herumgeistern, daß man sich in Wolfsburg „kritisch mit dem Themenkomplex Steiner auseinandergesetzt hat„. Weltanschauliche Neutralität und Unabhängigkeit bei der Vorbereitung und Durchführung der Ausstellung müssten also vorausgesetzt werden; andernfalls käme ja auch der Verdacht auf, daß es sich hierbei um eine pro-anthroposophische Massenveranstaltung mit entschiedem werbendem Charakter handeln würde. Das würde schon die Kulturstiftung des Bundes vergrätzen, der mit der Bereitstellung von Steuermitteln aus dem Haushalt des Staatsministers für Kultur eine entsprechende Verantwortung trägt. Diesen Verdacht aber glaubwürdig zu zerstreuen, dafür hat es Markus Brüderlin auf sich genommen, anthroposophischen Publikationen Rede und Antwort zu stehen. So in „Das Goetheanum“ (Ausgabe 29 – 10, Schwerpunkt Steiner heute), wo er u.a. feststellt, „daß es die Realität des Geistes ist, für deren Anerkennung die Kunstschaffenden sich einschätzen. Zwar war diese besonders in der abstrakten Kunst nie umstritten, doch wird unsere Lebenswelt immer mehr durch unsichtbare Strukturen beherrscht, denken wir nur an die Kommunikationstechnologie, sodass die Beschäftigung mit dem Unsichtbaren eine Überlebensfrage unserer ganzen Zivilisation darstellt.“  Für das Unsichtbare konnte er sich schon sehr viel früher begeistern.  Das war 1977, während des Kasseler Kunst-Marathons Documenta.  In swissinfo.ch vom 19.07.2010 erzählt Brüderlin von „Kunstwerken, die eine Verbindung mit der Natur eingehen.“ So gefiel ihm die „Installation des US-amerikanischen Konzept- und Land-Art-Künstlers Walter de Maria, bei der ein Eisenstab einen Kilometer tief in den Boden versenkt wurde: „Es ging dabei um die Thematisierung des Unsichtbaren.“  Auf Sichtweite dagegen seine Begegnung  mit – man ahnt es fast – Joseph Beuys: „Fast täglich habe er an der Universität den Vorträgen des deutschen Aktionskünstlers, Kunsttheoretikers und Pädagogen Joseph Beuys gelauscht: „Mir ging eine neue Welt auf, eine Welt, die man dann so in Basel doch nicht mitbekommen hatte.“
Dem „Goetheanum“ wiederum vertraut er weiter an: „Auf Empfehlung von Walter Kugler, Rudolf-Steiner-Archiv Dornach, wurde ich um ein Konzept für eine Steiner-Ausstellung gebeten.“ Darf man sich auf Empfehlungen etwas einbilden, nur weil sie aus Dornach kommen?  Leider auch nur eingeschränkt empfehlenswert scheint mir folgendes Zitat: „Wo beginnt denn der Mensch eigentlich? Gehört der Luftraum in der Lunge dazu oder gehört dieser Bereich schon zur Umgebung? Oder umgekehrt die Frage: Gehört der Raum der ausgeatmeten Luft zum Menschen dazu? Fragen des Äther- und Astralleibes und der Umstülpung des Innen- und Außenraumes werden hier thematisiert.“  Und ob!  Fragen, die sonst eigentlich nur für tiefschürfende Steiner-Eingeweihte von unermesslicher Bedeutung sind, macht sich Markus Brüderlin hier zu eigen.  Doch warum stellt er weder  „Astral-“ noch „Ätherleib“ ernsthaft zur Disposition?  Warum scheinen ihm diese mindestens so geläufig und diskussionswürdig wie es der geheimnisumwitterte Gegenstand der sogenannten „Umstülpung“ ist, daß in esoterisch-anthroposophischen Kreisen bedeutungsschwanger herangezogen wird als „Schöpfungs- und Bewusstseinsprinzip“ (so z.B. auf der Website der „Denkschule Hamburg“ von Hans Bonneval – dessen Selbstverständnis als Anthroposoph übrigens das eines „Wächters des Zeitgeschehens“ (Die Offenbarung der Engel und die achte Sphäre,  Verlag Ch. Möllmann) ist  ?
Mit lobenden Worten beschließt Brüderlin dieses Interview: „Für mich ist er (Rudolf Steiner, d. Verf.) nicht nur ein dynamischer, unkonventioneller Denker, der vieles vorausdachte, was heute zum Beispiel durch die Intuitions- oder Emphatieforschung auch für die rationalen Wissenschaften salonfähig zu werden schein, sondern auch ein Künstler. Wenn ich jetzt so durch die historische Ausstellung „Alchemie des Alltags“ gehe, habe ich das Gefühl, daß viele sogenannte Konzeptkünstler des 20. Jahrhunderts ziemlich blass aussehen.“  Mich dagegen beschleicht das Gefühl, daß hier ein Ausstellungsmacher einen Narren an Steiner gefressen hat. Und dafür findet er Worte, die die PR-Abteilung des Goetheanums in Dornach nicht besser hätte formulieren können. Den unabdingbaren Standpunkt weltanschaulich-kritischer Neutralität, den der eh schon heikle Ausstellungsgegenstand notwendigerweise verlangt, verlässt er damit allerdings. Und in einem weiteren Gespräch rückt er auch nicht näher heran, ganz im Gegenteil.

Wer stülpt hier eigentlich was um?

In einem im Mai diesen Jahres abgedruckten Interview für die monatlich erscheinende Zeitschrift „die Drei“ (Kulturzeitschrift für Anthroposophie in Wissenschaft, Kunst und sozialem Leben – herausgegeben für die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland) äußert sich Brüderlin angelehnt an anthroposophische Inhalte wie eben kennengelernt.  Auch das Thema der „Umstülpung“ scheint ihn einfach nicht loszulassen: „Gerade in der Gegenwartskunst beobachten wir, dass Künstler vermehrt auf dieses Prinzip der Umstülpung, aber auch auf die Metamorphose zurückgreifen, denken wir an Joseph Beuys oder Anish Kapoor.  Ein diesbezüglicher Aufsatz im Vitra-Katalog „Rudolf Steiner – Alchemie des Alltags“ versucht dieses Schöpfungs-, Erkenntnis- und Bewusstseinsprinzip als Schlüsselkategorie der Moderne neu zu entdecken.“ Hoppla, genauso steht es auf der Internetseite der anthroposophischen „Schule für neues Denken nach Rudolf Steiner“, wie schon weiter oben kurz vorgestellt.  Bloß daß es sich dabei um ein esoterisch-anthroposophisches Denkmodell handelt, weniger um ein nachgewiesenes wissenschaftliches Prinzip, wie uns Herr Brüderlin hier als längst anerkannte Tatsache glauben machen will. Dabei beharrt er mehrmals darauf, daß es ihm „nicht um Anthroposophie geht. Vielmehr um Steiner als Künstler und als Denker.“ Warum dann diese unerklärlichen Schwenks auf  thesenhaft umrissene und definierte Inhalte der Anthroposophie?

Immer wieder gerät Brüderlin ins Schwärmen: „… die von der Person, einem der letzten universalen Denker,  fasziniert sind, von dem Künstler, der ein Gesamtkunstwerk wie den Dornacher Hügel geschaffen hat, und von dem Impulsgeber, der Bewegungen wie die Waldorfschule iniitiert hatte.“ Und weiter: „Dann sind es auch seine Ideen auf den Gebieten von „Kunst und Wissenschaft“, des Naturbezugs, der Frage von Geist und Materie, seine Seelen-Leib-Theorie usw.“.  Dann das, was Frau Werneyer bereits im Interview deutlich gemacht hat: „Wir haben den Eindruck, dass durch die dogmatische Anhängerschaft vieles von Steiner versteinert ist und dass es an der Zeit ist, von außen, u.a. durch Kunst, die nicht dem anthroposophischen Kontext entstammt, Steiner zu entsteinern.“ Hier scheint Hoffnung aufzukeimen: Hoffnung, die offenbar nur noch schwach glimmende Leuchtgestalt Steiner zu retten durch „Entsteinerung„.  Ein Aufruf zur Güte. Ein weiterer folgt, der es in sich hat: „Wie schon erwähnt, es geht nicht um Anthroposophie, und wenn der Anthroposophischen Gesellschaft durch unsere Ausstellung neue Mitglieder zulaufen, so ist das ein Nebeneffekt, den wir ihr herzlich gönnen.“  Diese äußerst bemerkenswerte Stelle,  diesen verkappten Aufruf zur Aquise neuer Steiner-Jünger musste ich mir mehrfach vergegenwärtigen: Die Wolfsburger Doppelausstellung als Quasi-Werbeveranstaltung, um indirekt neue Mitglieder für die Anthroposophische Gesellschaft zu gewinnen? Ist das ein nicht öffentlich gemachter Ansatz, der sehr wohl eine Rolle gespielt haben könnte bei allen Überlegungen, wie Rudolf Steiner museal zu präsentieren sei?  „Herzlich“  und „gönnerhaft“ jedenfalls die bekundete Grundhaltung eines wesentlich Verantwortlichen, und die gebotene bzw. versprochene Neutralität alias „Differenziertheit“: Fehlanzeige.

„Alternatives kreatives Bewusstsein…“

Es ist also auch eine Überlebensfrage, sich mit dem Geistigen zu beschäftigen.“, meint Brüderlin. Das ist ihm sehr ernst, zitiert er doch auch den ehemaligen Bundesinnenminister Otto Schily, „der einmal sagte, eine gesellschaftliche Umsetzung von Steiners Ideen hätte helfen können, die Katastrophe des Nationalsozialismus zu verhindern.“   Gut zu wissen, nur zu spät.  Aber dafür ist er laut Brüderlin heutzutage fast nicht mehr wegzudenken: „Da haben Künstler heute oft eine große Nähe zu Steiner. Sie haben ein ähnliches Verhältnis zur Gesellschaft, weil die Kunst immer jenseits des Rationalen, Materiellen und des gesicherten Naturwissenschaftlichen arbeitet. Steiners Ideen sind Kristallisationspunkte für alternatives kreatives Bewusstsein.“ Das tut die Kunst zwar längst nicht immer, aber eine solche elitäre These liest man eben gerne in einem Magazin, daß einen direkten Bezug zur Anthroposophischen Gesellschaft Deutschland hat.

 

Und schon wieder in indirekter Anrede, diesmal den erhofften Erkenntniswandel betreffend: „Auch erkennen immer mehr, daß alles mit allem zusammenhängt. Da gewinnt ein ganzheitliches Weltbild, wie das von Steiner wieder an Bedeutung.“  Nicht zuletzt die Behauptung vom „ganzheitlichen Weltbild“, daß man bei Steiner finde, bietet immer wieder Anlass zu heftigem Streit. Die Ursache liegt zumeist in der Definition des Begriffes „Ganzheitlichkeit“, der hier den Anthroposophen als revolutionäre Pioniertat untergeschoben wird.  Dann gelingt ihm auch noch ein ganz besonderes „geistiges“ Kunststück: Die Übersetzung der legendären Steiner`schen „Akasha-Ckronik“, dem Erkenntnisparadies aller berufenen Seher und Eingeweihten, in die Neuzeit. Brüderlin hält es für angebracht zu vermuten: „An dieser Stelle möchte ich eine vielleicht „lästerliche“ Analogie einbringen: Ist das www. nicht die materielle Umsetzung der Akasha-Chronik, die Akasha-Chronik für alle?  Man braucht keine seherischen Fähigkeiten mehr, sondern lediglich einen Internetanschluss oder ein iPhone, um überall, jederzeit Zugang zum Weltwissen zu haben.“  Und noch eine weitere Steiner-Formulierung fühlt er sich aufgerufen modern zu interpretieren: „Und ist das Facebook nicht die Realisierung der „Gruppenseele“ über alle Distanzen und materiellen Gebundenheiten hinweg?“  Markus Brüderlin kennt sich aus mit dem typischen Steiner-Jargon. Und ebenso damit, wie es heute verstanden werden soll oder könnte. Er kennt sogar manch hübsches Zitat auswendig: „Euer Wissen ist genauso blutleer wie das der ärgsten Materialisten, wenn ihr meine Gedanken einfach 1:1 nachbetet und dazu nicht eigene Gedanken denkt und sie gleichsam durchlebt.“  Nur schade, daß sich die große Mehrheit seiner Anhänger auf das Nachbeten verständigt hat. Das hängt sicher mit dem unabwägbaren Risiko zusammen, daß man nun mal eingehen muss, wenn der eigene Kopf mit selbstständigen Denkleistungen beauftragt wird. Dennoch lässt Markus Brüderlin nicht locker und empfiehlt: „Gerade wenn man die heutigen Zivilisationskrankheiten wie das Burnout-Sndrom anschaut, hat man das Gefühl, es lohnt sich, Steiner nochmals zu lesen.“  Dieser Tipp basiert natürlich auf einer grundlegenden Überzeugung: „Viele Ideen seines ethisch spirituellen Gedankengebäudes erscheinen gerade heute sehr vernünftig, und die Kunst kann helfen, Steiner in dem Sinne zu aktualisieren.“  Ja, das nimmt man sich in anthroposophischen Einrichtungen immer wieder mal vor, aktualisieren, modernisieren, modifizieren, anpassen. Das Ende vom Lied ist dann in der Regel der Anfang vom Lied, mit den selben Textzeilen, Strophen, Kanons und Refrains. Man kann es also eigentlich gar nicht mehr hören.  Und funktionieren kann das im Prinzip nur, wenn Steiner als Komponist endgültig ausscheidet. Aber wie vordergründig schön klingt doch beinahe alles, wofür sich Steiner stimmlich ins Zeug gelegt hat… ungefähr so, wie sich Markus Brüderlin als willfähriger Türöffner für die Interessen der organisierten Anthroposophie stark gemacht hat, die gerade in Wolfsburg von überragender, weil nicht nur bestimmte gesellschaftliche Gruppen ansprechender Bedeutung sind?  Überdies, wo 2011 das große Rudolf-Steiner-Jubeljahr zu seinem 150. Geburtstag ansteht – da mag man sich natürlich nur sehr ungern von allzu vielen Zweiflern und Kritikern in die Suppe bzw. auf die Torte spucken lassen.


Wer täuscht hier eigentlich wen?

Der offizielle Ankündigungtext des Kunstmuseums Wolfsburg (www.kunstmuseum-wolfsburg.de/exhibition/113/Rudolf_Steiner_und_die_Kunst_der_Gegenwart) für die Doppelausstellung beginnt mit dem Satz  „Noch nie wurde der „Kosmos Steiner“ so umfangreich dargestellt wie durch die beiden Ausstellungen „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ und „Rudolf Steiner – Die Alchemie des Alltags“.  Zwischendrin dann finden wir ein erbauliches Original-Zitat von Markus Brüderlin aus dem „Die Drei“-Interview: „Gleichzeitig erlebt das ganzheitliche Weltbild wie das von Steiner  vor dem Hintergrund lebhafter Debatten über ökologische Verantwortung, religiöse Sinnsuche und über ein aus den Fugen geratenes Wirtschaftssystem wieder stärkere Beachtung.“ Und der Text endet mit der konkreten und unverbrüchlich-selbstsicheren Festlegung: „Dabei interessiert an Steiner nicht dessen Kunstlehre oder seine Position innerhalb der anthroposophischen Bewegung, sondern sein ganzheitliches, kreatives Denken, daß der Realität des Geistes und der Präsenz des Unsichtbaren Form und Ausdruck gegeben hat.“  Unterbrochen wird er nur kurz durch Danksagungen (an das Steiner-Archiv sowie die Kunstsammlung Dornach für Unterstützung bei der Recherche) sowie Hinweis auf die finanzielle Unterstützung durch Volkswagen Financial Services AG sowie Kulturstiftung des Bundes.  

Bloß:  Dieser Text ist gar keine PR-Erfindung des Kunstmuseums Wolfsburg. Der offizielle Ankündigungstext zur Ausstellung trägt eine originär und verifizierbar anthroposophische Handschrift.  Dieser Text nämlich wurde zunächst wortwörtlich im anthroposophischen Monatsmagazin „die Drei“ veröffentlicht, als Einleitung zu jenem Interview mit Markus Brüderlin, aus dem ich hier bereits ausführlich zitiert habe.  Inhaltlich verantwortlich zeichnen die beiden Autoren Dr. Stephan Stockmar ( Redaktionsleitung) und Angelika Wiehl (freie Mitarbeiterin; zudem Waldorflehrerin und Dozentin am Seminar für Waldorfpädagogik Hamburg). Eine grob modifizierte Variante hiervon findet sich in einer weiteren monatlichen Veröffentlichung aus dem anthroposophischen Millieu: In „agorá“ aus St. Gallen/Schweiz. Und: In der Ausgabe 01/10 (Februar) der „Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland“, für die unmittelbar die Anthroposophische Gesellschaft Deutschland als Herausgeber fungiert, findet sich der letzte Absatz exakt so abgedruckt, wie er dann auch als ungefähr letztes Drittel im Pressetext zur Ausstellung zu lesen ist – und das noch geraume Zeit vor der weiteren Veröffentlichung in „die Drei“, Ausgabe Mai 2010. Dem betreffenden Artikel in den „Mitteilungen aus…“ steht das Kürzel an voran: an steht für Andreas Neider,  der hier verantwortlicher Redakteur  ist.  Redakteur eines vierteljährlich erscheinenden Fachblattes, herausgegeben von der Anthroposophischen Gesellschaft Deutschland. Welche deutlich angesprochenen Bedenken meinte Frau Werneyer doch gleich noch mal wegwischen zu können: „Die Akteure innerhalb unseres Ausstellungsprojektes sind selbst keine Anthroposophen…“ ? 

Meine Vermutung, daß aus diesem Text eine zweifellos mit Steiner und der Anthropsophie tendenziös sympathisierende Handschrift herauszulesen ist, trifft unmittelbar und nahtlos zu. Nur hatte ich nicht erwartet, daß gleich ein kompletter, in sich geschlossener Beitrag aus einem anthroposophischen Medium ohne jegliche Abstriche übernommen werden würde. Noch dazu gespickt mit einem Brüderlin-Zitat, daß nicht einmal mehr als solches kenntlich gemacht werden musste (entgegen üblichen journalistischen Gewohnheiten): Die inhaltliche Übereinstimmung von Fragestellern und Befragten ist schlichtweg frappierend. Daß sich Brüderlin über einen möglichen Mitgliederzuwachs für die Anthroposophische Gesellschaft nur freuen würde, wie er in diesem Interview offenherzig bekannte, ist deshalb keineswegs überraschend. Und: Ich habe danach gefragt, ob es eine Ausstellungs-Unterstützung gleich welcher Art seitens der Anthroposophischen Gesellschaft gab. Hierauf erhielt ich keine klare Antwort. Nur Verweise darauf, daß es seitens Herr Kugler (Rudolf-Steiner-Archiv, Dornach) Unterstützung in fachlich-historischen Fragen gab sowie Leihgaben aus der Kunstsammlung des Goetheanum. Das taktische Ausweichmanöver, wie es hierbei notgedrungen angewandt wurde, erklärt sich bei der nunmehr bekannten Faktenlage natürlich problemlos. Der Teil der Antwort nämlich, in dem es eben heißt: „Die Akteure innerhalb unseres Ausstellungsprojektes sind selbst keine Anthroposophen…„, diese Aussage steht im krassen Gegensatz zu den tatsächlichen Zusammenhängen, wie sich sich jetzt konkret und logisch nachvollziehbar erschließen. Ausgestattet mit diesem Wissen, ist es nicht mehr möglich, der von Frau Werneyer ebenfalls aufgestellten Behauptung folgen zu können, daß die Ausstellungen Steiner zum ersten Mal außerhalb des anthroposophischen Kontextes präsentieren. Unsichtbar für die Allgemeinheit wurde dieser wieder hergestellt – echte, mutige und damit in Ihrer Grundausrichtung substantiell-kritische Alternativen hierzu scheinen dann eben doch zu gewagt.  Sind es die Erfahrungen mit dem nicht zimperlichen Widerstandsgeist bekennender Anthroposophen, die derartiges schon im Ansatz zu verhindern wissen?


Ein Schatten, ein langer Schatten…

Die Vermutung liegt sehr nahe, daß hier die Öffentlichkeit bewusst nach anthroposophischer Maßgabe manipuliert werden soll. Die Absicht dahinter, so darf man annehmen, ist die einer möglichst positiven, von keinerlei ernstzunehmenden Kritik beeinträchtigten Perspektive auf Steiner selbst und all das, was in Wolfsburg in profanem oder künstlerischem Zusammenhang mit ihm gebracht wird.  Die Absicht also, den unvoreingenommenen Rezipienten mittels subtil-einseitiger Stimmungsmache von der „großen Sache“ Rudolf Steiner einzunehmen. Ein seriöser Ankündigungstext als suggestiver Imagetext, der die richtigen, vielmehr die „richtig großen“  Gefühle erzeugen soll. Von „differenzierter Behandlung unserer Ausstellungsthemen„, wie es Frau Werneyer herausstellte, kann im Fall der Steiner-Ausstellungen absolut nicht die Rede sein. Es ergibt sich eine naheliegende Frage: Wie weit reicht mittlerweile der Einfluss der organisierten Anthroposophie, um derlei Wünsche an prominenter, weil öffentlichkeitswirksamer Stelle machbar erscheinen zu lassen?  Und eine weitere: Wie ist das Verhalten jener Akteure zu werten, die um die Folgen einer auch nur partiellen Täuschung der Öffentlichkeit eigentlich bestens Bescheid wissen sollten? Außerdem:  Wie wird die „Kunststiftung Volkswagen“ als Träger des Kunstmuseums Wolfsburg auf diese  drastische „vertrauensbildende Maßnahme“ anthroposophischer Protagonisten reagieren?  Persönliche Konsequenzen jedenfalls halte ich für eine erste unvermeidliche Maßnahme,  um gerechtfertigtes Vertrauen in die Seriosität und das Renommee des seit über 20 Jahren bestehenden Wolfsburger Kunstmuseums zurückgewinnen zu können.

Die Tatsache, daß hier wissentlich in die Irre geführt wird, daß man wider besseren Wissens an entscheidender Stelle – an der Schnittstelle zwischen einem  Museum als Kulturmittler und dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit –  der offensichtlichen Propaganda einer höchst interessierten Seite  absoluten,  weil anthroposophisch bestimmten und definierten Gestaltungsfreiraum  eingeräumt hat ,  ist in meinen Augen ein handfester Skandal mit noch völlig unabsehbaren Folgen.  Die anthroposophische Bewegung hat sich hiermit selbst eine anhaltende Schockstarre verordnet,  verbunden mit der Aussicht auf den schwerwiegenden Verlust von Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Transparenz. Die von Wolfsburg ausgehenden Schatten werden lang sein, sehr lang. Auch und gerade in Hinblick auf die vielgestaltigen Feierlichkeiten der anthroposophischen Szene zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners 2011 (www.rudolf-steiner-2011.com) , die das ganze Jahr über andauern und zu einer einzigen opulenten Erfolgsgeschichte der Anthroposophie verwoben werden sollen,  bedeutet diese Angelegenheit ein einziges Desaster für ihre vermeintlichen Nutznießer.  Wer sich auf eine derart hinterhältige Art und Weise Vorteile zu verschaffen sucht, muß naturgemäß davon ausgehen, daß ihm dies nicht als Charakterstärke angerechnet werden wird.  Und wer glaubt, im Olymp des Bestmenschentums angekommen zu sein, ohne sich von derlei Machenschaften unangenehm berührt zu fühlen, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Fall dann tatsächlich so tief ausfällt, wie selbst die Anthroposophie nicht in den als vermeintlich wahr erkannten Menschen hineinzuschauen in der Lage ist. Die Leiche Rudolf Steiner lebt – davon konnten sich mittlerweile mehr als 20.000 Besucher (damit die besucherstärkste Sommerausstellung seit Eröffnung des Wolfsburger Kunstmuseums) überzeugen.  Der Leiche ihren Verwesungsgeruch auszutreiben, dafür hat die schamlose Kreativabteilung der organisierten Anthroposophie gesorgt. Und zwar rechtzeitig – noch bevor es auch nur einer von 20.000 arglosen Ausstellungsbesuchern hätte riechen können. 
 
  

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23 Gedanken zu “„Da täuschen Sie sich…“

    1. .. also irgendwie werd ich das gefühl nicht los, dass sie sich verfolgt fühlen ?! es wär wahrscheinlich viel besser gewesen man hätte SIE die ausstellung machen lassen , denn sie wären ja wohl viel objektiver gewesen ….. gelle ? wobei ich schon einmal eines ganz deutlich sagen möchte: lieber sind mir SOLCHE manipulatoren als jene welche die weltglobalisierung oder die EU als einzig wahre lösung für alles und jedes und jenen heranziehen. denn im falle der anthroposopie besteht immerhin die möglichkeit, dass menschen selber zu denken beginnen, im falle eu + globalisierung seh ich da schwarz. dass das denken an sich in richtungen gehen kann die nicht konstruktiv sind – so wie ihre – ja auch das ist freiheit. wofür sind sie eigentlich? und warum fühlen sie sich von diesem gedankengut so unglaublich „angegriffen“? und anders gefrage – wo finden sie denn absolut unvoreingenommene infos? soll man da an sie herantreten, sind sie der einzige der alles durchschaut und neutral berichten / informieren kan? ich kanns nicht ganz glauben …… lg
      E.T.

      1. Welches Interesse sollte ausgerechnet ich haben, Steiner in den Mittelpunkt einer Ausstellung zu stellen? Und wie kommen Sie darauf, mir unterstellen zu wollen, daß ich dieses Thema deutlich objektiver bzw. differenzierter angegangen wäre als jene Ausstellungsverantwortlichen, die eben darauf angeblich so viel Wert gelegt haben? Daß Sie sich offenbar lieber von Anthroposophen manipulieren lassen wollen als von jenen, die „Weltglobalisierung“ oder die EU nach außen hin vertreten, gibt mir naturgemäß schwer zu denken: Die grundsätzliche Bereitschaft, Manipulationen in gut und schlecht einzuteilen, ist ein recht origineller Versuch, den vermeintlich „besseren“ Verführern auf den Leim zu gehen. Gerade wenn Sie behaupten, daß „im Falle der Anthroposophie die Möglichkeit besteht, daß Menschen selber zu denken beginnen“, scheint bei Ihnen der objektive Gebrauch der Anthroposophie eher noch nicht zum gewünschten Erfolg geführt zu haben. Daß mein Denken zumindest in diesem Fall keine „konstruktive Richtung“ eingeschlagen hat, ist nicht verwunderlich, habe ich mich doch angesichts der Thematik von vornherein für eine kritische entschieden. Als Journalist sehe ich es sogar als unabdingbare Notwendigkeit an, fundierte und gut begründete Kritik genau dann zu üben, wenn es der Sachverhalt logisch nachvollziehbar hergibt. Dieser Fall ist ein solcher, und Sie werden wohl kaum bestreiten wollen, daß es aufgrund der geschilderten Tatsachen anders ist, geschweige denn anders oder gleich entgegengesetzt dargestellt werden kann. Und wenn Sie mich darüberhinaus noch fragen, wofür ich eigentlich bin, dann will ich Ihnen das ganz kurz nur beantworten: Ich bin dafür, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. Dagegen werden Sie hoffentlich nichts haben – außer vielleicht, die Anthroposophie bedeutet Ihnen soviel, daß es Ihnen egal ist, welchen Stellenwert die Wahrheit hat, solange Sie nur aus Eigeninteresse herangezogen und nach (Geistes-)Kräften geknetet, gedehnt, kleingeredet oder sonstwie bearbeitet werden darf und muss. „Absolut unvoreingenommene Infos“ gibt es übrigens durchaus noch: zum Beispiel steht für diesen Anspruch ein seriöser Journalismus, wissenschaftlich-sachliche Lexika, ein Kochbuch oder eine Supermarktrechnung. Ich für meinen Teil bediene mich aus Ersterem. Bei Rudolf Steiner wäre ich da eher skeptisch, auch wenn man das in der Öffentlichkeitsarbeit des Kunstmuseums Wolfsburg ein klein wenig anders sieht. Und zuletzt: An welcher Stelle steht, daß ich der einzige wäre, der „alles durchschaut und neutral berichtet/informiert“? Ich halte Polemik durchaus für sinnvoll, allerdings nicht in Zusammenhängen, die ganz klar erkennen lassen, daß da jemand nur ein riesengroßes Problem damit hat, daß hier Dinge beleuchtet werden, die seiner/ihrer Meinung nach besser im Dunkeln geblieben wären…

      2. Es spricht in der Tat aus so gut wie jedem Wort schier pathologische Paranoia! Die Suche nach dem Teufel sollte der Autor schlichtweg bei sich selbst vornehmen. Von Objektivität ist dieser Beitrag meilenweit entfernt!
        Und dieser Aufwand nur, um gelesen zu werden? Ich habe-trotz großen Interesses- nach der Hälfte entnervt aufgeben müssen!

      3. Oha, da ist sie wieder, die blitzsaubere Unterstellung eines krankhaften Antriebs, kaum daß ernsthafte Kritik betrieben wird. Wenn noch dazu die Kritik fundiert, gut begründet und solide recherchiert ist, wird halt noch eine Paranoia mit draufgepackt, damit auch ja breite Eingänge zur Psychatrie offenbleiben. Es ist – soviel sei also verraten – die zuverlässig wiederkehrende Projektion der Anthroposophie verfallener Waldorf-Werktätiger, daß es immer nur die anderen sein können, die nicht mehr ganz bei Trost sind. Was hat es mit dem Teufel auf sich, nach dem angeblich gefahndet wird? Nichts! Ich jedenfalls gehöre nicht zur Suchmannschaft, gleichwohl bin ich da hinein delegiert worden, gegen meinen Willen, ohne wirklich gefragt worden zu sein. „Ann“ hat es sich nicht nehmen lassen (nach guter alter anthroposophischer Tradition), eine dämliche Behauptung aufzustellen, die zwar keiner Überprüfung standhalten würde, aber doch soweit ins eigene Denkschemata passt, daß es furchtbar egal ist, wer letztlich damit leben muss.
        Objektivität? Kann es sein, daß schon Titel und Untertitel dieses Blogs eine eher subjektive Grundtendenz aufweisen? Was aber natürlich nichts daran ändert, daß Tatsachen und Fakten hier mindestens so hohes Ansehen genießen wie Meinung und Kommentar! Hätte dieser Vorwurf in einer x-beliebigen Tageszeitung sein Ventil gefunden, hätte er mit einiger Berechtigung ernst genommen werden müssen, abgesehen davon, er hätte sich gegen einen Meinungsbeitrag gerichtet. Aber diese Feststellung ausgerechnet hier loswerden zu müssen, zeugt schon von einer absurden, naiven Denke, die sich gerade innerhalb der anthroposophischen Bewegung allergrößter Beliebtheit erfreut.
        Ist es denn wahr? „Dieser Aufwand nur, um gelesen zu werden?“ Ich geb`s ja zu: Ich hab` mir diese elende Mühe nur gemacht, um auch nicht im Geringsten wahrgenommen zu werden; und schon gar nicht von jenen, die es mittelbar oder unmittelbar betrifft. Und natürlich war mir Thema, Motiv, Intention, eigentlich alles in inhaltlicher Hinsicht erwähnenswerte von absolut zweitrangiger Bedeutung, wollte ich doch nur „gelesen werden“, um jeden Preis. Warum diese Investition in viele, viele Stunden akkurater Recherche und peinlich sorgfältiger Schreibarbeit, wenn mir doch von Anfang an klar gewesen sein muss, daß Artikel wie der gemeinte nur ganz banal gelesen sein wollen? Schade. Die wahrheitsverliebte Kommentatorin erkennt den Aufwand, weigert sich aber beharrlich, die logischen Schlußfolgerungen daraus zur Kenntnis zu nehmen. Leider auch ein typisches Reaktionsmuster aus der Bewegung. „Großes Interesse“? Von wegen. Die Nerven lagen nur deshalb blank, weil sich mit jedem weiteren gelesenen Satz herausgeschält hat, daß man es nicht so genau nimmt mit der Wahrheit innerhalb der Bewegung. Und daß man auch keinerlei Skrupel hat, eine vielleicht wirklich interessierte Öffentlichkeit bewusst zu täuschen, dreist in die Irre zu führen, ihr einen Anschein von Substanz und erfahbarer Realität vorzugaukeln, der dabei keinen anderen Zweck verfolgt als eine haltlos-esoterische Gemeinde von blinden Gläubigen verkaufen zu wollen als nette, harmlose, vor allem aber radikal zukunftsweisende Weltverbesserungsfront von nebenan. Hier geben sich tatsächliche pathologische Befindlichkeiten die Klinke in die Hand – und die Paranoia wächst in dem Maß, wie Dinge beschrieben, aufgedeckt und klargestellt werden, die als unübersehbare Anzeichen für eine kaum noch in den Griff zu bekommende Geisteskrankheit Zeichen für unsere Gesellschaft setzen wollen…

  1. Interessanter Artikel …

    … mit der kleinen Anmerkung, dass m.E. nach Kandinsky nur oberflächlich anthroposophisch geprägt war und seine Kunst (bzw. die „Wendung zum Abstrakten“ in der Kunst) zu Unrecht in diesem Sinne verreinnahmt wird. Belege im unten verlinkten Artikel und auch in Kandinskys „Über das Geistige…“: Da wird Steiner nur auf S. 42f. zitiert, aber auch in dieser Darstellung steht für Kandinsky v.a. Helena Blavatsky, nicht Steiner im Vordergrund.

    Diese (Neu)Inszenierung Steiners passt in einen aktuellen Trend, Steiner als Schöngeist hinzustellen, der keineswegs perfekt war, sondern einfach nur andere anregen wollte. Statt dem allerdings eine historisch-kritische Einordnung zur Seite zu stellen, wird einfach alles als unglaublich libertär uminterpretiert:

    „Ihn selbst jedoch haben seine Texte über den Augenblick hinaus nicht interessiert; Mitschriften mochte er nicht einmal durchsehen. Die vielen tausend Vorträge (…) waren nie als jenes Werk gedacht, das die Beschäftigung mit Steiner heute bleischwer bedrückt. Es handelte sich eher um so etwas wie Stand-up-Okkultismus, einen ultraspätromantischen Poetry Slam: Wissenschaft der Form nach, an sich aber Mysterienspiel und Gesamtkunstwerk.“ (FAZ)

    Die Parallelen der ausgestellten Künstler_innen zu Steiner sind ferner meist kaum mehr als Formale – „Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart“ könnte da als Titel irreführen.

    Schade, dass die Möglichkeit einer solchen Ausstellung nicht ausgeschöpft wurde – das Thema mit all seinen TATSÄCHLICHEN Facetten darzustellen, wie der Partizipation der anthrop. Architektur an der expressionistischen Architektur durch Friedrich Kaldenbach und Edith Maryon, die Offenlegung von Abhängigkeiten, die Benennung von problematischen Aspekten des Weltbildes oder die Parallelen zu und Dialoge der anthrop. Kunst mit damaligen esoterischen Künstler_innen aus dem völkisch-theosophischen Lager (etwa über Fidus, das Bauelement der „Schwinge“….). Das wäre wirklich und in viel weitergehender Hinsicht sehenswert geworden.

    Belege auf: http://waldorfblog.wordpress.com/2010/06/16/kreative-fundgrube-der-neue-steiner-und-die-kunst/#comment-2857

    1. Zum Kandinsky-Vorbehalt: Richtig. Deswegen auch nur die Rede von Anleihen aus dem anthroposophsichen Fundus. Aber im Grunde ist dieser Aspekt eher als zweitrangig zu bewerten: Im absoluten Vordergrund steht ja doch etwas ganz etwas anderes, und das wird doch, so glaube ich, relativ schnell und dabei sehr erschreckend, bezeichnend und vielsagend deutlich…

  2. Mich dagegen beschleicht das Gefühl, daß hier ein Schreiberling einen Narren an Steiner gefressen hat. Und zwar einen ziemlich düsteren Narren, sozusagen eine Projektionsfläche für kübelweise Negativität.

    1. Es ist ein einziger, nicht enden wollender Jammer, daß Fakten wiederholt nicht wahrgenommen und logisch begründete Einsichten nicht akzeptiert werden wollen, so auch hier. Eher noch wird ein/der „Schreiberling“ bemüht, werden Phrasen herangezogen, die für sich genommen schon schwer auszuhalten sind, in eigenmächtiger Abwandlung dann aber erst recht ungenießbar sind, so sinnentleert und krampfhaft individualisiert erschreckt das Ergebnis.

      Wie groß muß die Angst vor einer unbequemen Wahrheit eigentlich sein, um sich lieber lächerlich zu machen als sie auch nur ansatzweise einräumen zu können? Wie blind muss man einer Ideologie (wie hier der Steiner-Doktrin) verfallen sein, um nirgends mehr etwas von dem sehen zu können bzw. zu wollen, was die Tatsachen zu Recht nicht verschweigen? Und warum nur hilft alle Aufklärung nicht, auch dann nicht, wenn persönliche Gründe vorgeschoben werden, um den berechtigten Anspruch der Allgemeingültigkeit mutwillig in den Hintergrund abzuschieben?

      Wie schon festgestellt, der Jammer hört nimmer auf. Und Kommentare wie diese geben auch nicht unbedingt Anlass dazu, auf ein schnelles Ende zu hoffen. Nur würde es vollends reichen, mitunter wenigstens die Dinge so zu nehmen, wie sie sind, auch wenn sie schmerzhaft wahr sind. Keinen Gefallen tut man sich jedenfalls damit, den Finger bespucken zu wollen, der sich anschickt, in die Wunde zu legen. Er würde sich auch gar nicht abhalten lassen davon, ganz im Gegenteil: Früher oder später würde sogar eine recht bedauerliche Entwicklung einsetzen, die darin enden könnte, daß er sein eigentliches, unwiderrufliches Karma in dem eines Stinkefingers entdeckt…

    2. @ Barbara Papa

      Sie schreiben: „einen Narren an Steiner gefressen …“

      So wie Sie? So wie all die anderen anonymen Anthroposophen, die den Rassisten Rudolf Steiner vergöttern?

      ………………………………………………………

      „3 Jahre Rudolf Steiner ist „zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen“

      Vor drei Jahren, am 6. September 2007, entschied die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM), dass Bücher Rudolf Steiners rassistischen Inhalt haben. Die Bücher waren nur knapp der Indizierung durch die BPjM entgangen, weil der Verlag zusicherte, alsbald kommentierte Neuauflagen herauszubringen und bis dahin die Bücher nur mit einer Beilage auszuliefern. Doch nach drei Jahren ist noch immer nichts geschehen. Unser Gastautor Andreas Lichte erstellte für die BPjM ein Gutachten zur Praxisrelevanz von Steiners Rassismus, in dem er auch die Vermittlung von Rudolf Steiner im „Seminar für Waldorfpädagogik Berlin“ darstellte. Hier ein Auszug, Zitat: (…)“

      weiter: http://www.ruhrbarone.de/3-jahre-rudolf-steiner-ist-„zum-rassenhass-anreizend-bzw-als-rassen-diskriminierend-anzusehen“/

    1. Vielen Dank für den Hinweis! Der Betreiber dieses Blogs streift sich tatsächlich jedweden Steinerner`schen Abglanz über, den er während seiner offensichtlich pausenlosen GA-Lektüre bekommen kann. Ich frag` mich jetzt nur: Ist dieses Zitat eine unverfrorene, kaltblütige Drohung, oder ist es als existenzieller Trost zu verstehen, wenn Bus oder Taxi nicht kommt, mit dem man doch so fest gerechnet hat?

      1. Walter Kuglers „Bus“ nach Wolfsburg ist gekommen. Und wer hat Kuglers Ticket für die Rudolf Steiner Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg bezahlt?

        Nur der Sekten-Treff ist in Wolfsburg grösser.

      2. Stimmt haargenau, Kuglers metaphysisches Transportunternehmen floriert. Und wenn man sich überlegt, daß der honorige Mann allein verantwortlich für die „wissenschaftliche“ Fachberatung der Ausstellungen ist – fast müsste man Respekt vor ihm haben, aber eben nur fast: Wer in erster Linie am manisch-magischen Mythos eines unverbesserlichen Besserwissenden bastelt, sollte der Wissenschaftlichkeit besser nicht bei Tageslicht begegnen – sie könnte sonst wie auf einen Zwerg auf einen herabschauen, und ausgestattet mit dem Ruf traut man sich nicht mal mehr bis nach Wolfsburg.

  3. Du kannst Dich entspannt zurücklehnen, die Anthroposophie wird Dir nichts tun, sie ist ganz zahm. Es ist wohl wichtiger, das zu machen, was man will als auf das zu starren, was man definitiv nicht will.

    1. Weiß ich doch, daß die Anthroposophie ganz zahm ist. Es sind ja auch nur ihre Praxisfelder, in denen sie mitunter ihre ganz brave Maske ablegt, damit Menschen darunter zum Vorschein kommen, die das selbe behaupten können (und sogar müssen), weil sich sonst der noch weiter dahinter verborgene Irrsinn (sogar ganz und gar ungefährlich) für den direkten, unverstellten Weg entscheidet – und das schien schon dem Herrn Doktor der weit gefährlichere Weg, also jetzt für seinesgleichen…

  4. So wird aus Wolfsburg, der „Stadt des Führers“, einfach die „Stadt des Menschheitsführers“ Rudolf Steiner.

    Walter Kugler hat ja auch kein Problem mit Rudolf Steiners Antisemitismus:

    Im Bericht des Fernsehsenders Tele Basel vom 28.09.2007 zur Anzeige von Samuel Althof gegen den Rudolf Steiner Verlag Dornach wurde Walter Kugler zu diesem Zitat Rudolf Steiners interviewt:

    “Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion alleine, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise.”

    Walter Kugler antwortete:

    “Erschüttern tut’s mich nicht, ich meine es sind – es handelt sich um Äußerungen, um kritische Äußerungen zum Judentum, aus dem Jahre 1888, wohlgemerkt, und – das muss man ertragen können in einer wissenschaftlichen Ausgabe und das heißt ja nicht, dass jeder Leser identifiziert sich ja nicht so mit Rudolf Steiner, dass er jetzt das alles als Glaubenssätze nimmt, sondern das sind auch Aspekte zum Nachdenken. Außerdem halte ich diese Äußerung auch gar nicht für antisemitisch, sondern sie sind ja, sie sind judenkritisch und das müsste ja eigentlich auch erlaubt sein, sonst dürften wir gar keine Kritik mehr üben. Antisemitisch werden die Dinge erst, wenn dadrin verborgen ist schon eine Überlegenheitsstrategie, die den Anderen diskriminiert.”

  5. „Mission im Museum – Rudolf Steiner in Wolfsburg und Stuttgart

    Kunstmuseen huldigen dem Hellseher und Sektenführer – Besucher und Öffentlichkeit werden gezielt getäuscht

    (…) Kafka. Von letzterem wird ein kurzer Brief in Wolfsburg gezeigt, den Walter Kugler nicht zum ersten Mal präsentiert, um den gewünschten Eindruck zu erwecken. Kafka hatte Steiner 1910 auf dessen Wunsch eine „Arbeitsprobe“ seiner Prosa zugesandt und dazu ganze zwei Sätze geschrieben. Der „Geistesführer“ tingelte damals durch deutsche und europäische Großstädte, um für sich und seine „Bewegung“ zu werben, zeitweise organisiert von einer Berliner Konzertagentur. 1911 war Steiner in Kafkas Heimatstadt Prag zugegen. Kafka hörte sich einen Vortrag an und besuchte Steiner in seinem Hotelzimmer, um sich ein Bild aus der Nähe zu machen. In seinem Tagebuch notierte er anschließend, dass die Kleidung des Hellsehers Staub und Flecken aufwies und ihm fortwährend die Nase lief. (Franz Kafka: Tagebücher, Frankfurt a. M. 1983, S. 43 ff.) Das war alles, was dem Schriftsteller zu Steiner einfiel. Der „Erleuchtete“ war für Kafka eine äußerst banale Person, der er nichts abgewinnen konnte. (…)“

    http://rudolf-steiner.blogspot.com/2010/09/mission-im-museum-rudolf-steiner-in.html

  6. es ist erbärmlich, was hier veröffentlicht wird. diese seite ist ab sofort absolut tabu für mich!für mich, die im denken das non plus ultra sieht und gerade dieses hier diametral fungiert!

    1. @ ann („die im denken das non plus ultra sieht“)

      “Die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würden, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit.”

      “Geradeso wie sie (die Blonden) wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit ihren Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muss das durch geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man muß also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Maße, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. Wir haben nicht zum Spaß diesen Bau, das Goetheanum, hierhergebaut”

      Rudolf Steiner

    2. Warum erst jetzt? Spätestens dann, als es Ihnen gedämmert hatte, daß hier die Steiner-Ausstellungen mitsamt ihres großangelegten Schwindels thematisiert werden und Sie davon höchstens die Hälfte „interessiert“, hätten Sie einen dicken Schlußstrich ziehen müssen! Aber trotzdem mutig von Ihnen, im Denken das „Non plus ultra“ zu sehen. Obwohl, eigentlich eine pure Selbstverständlichkeit für jemanden, der beinahe tagtäglich mit Waldorfpädagogik und Anthroposophie befasst ist. Wird doch nur dort das Denken zu seiner vollen Blüte geführt, wo es primär auf Steiner zurückzuführen ist. Und daß das Denken auf meiner Seite erschreckend „diametral fungiert“, ist wohl auf genau diesen weithin fehlenden Umstand zurückzuführen. Umso mehr freue ich mich für Sie! Auch wenn ich natürlich insgesamt nur bedauern kann, daß die Quintessenz ihrer beiden total in sich geschlossenen Ausführungen vor allem darauf abzielen, auf gar keinen Fall wahrhaben zu wollen, zu welchen Mitteln ihre Bewegung zu greifen bereit ist, wenn die große, umfassende, ganzheitliche Illusion des Steiner`schen Welt- und Menschenbildes ernsthaft gefährdet scheint. Daß sie das ist, das wiederum haben die mittlerweile bekannten Begleitumstände der Wolfsburger Ausstellungen deutlich offengelegt – wenn Sie also schon die unfeine Vokabel „erbärmlich“ verwenden wollen, vor diesem Hintergrund käme sie mit großer Berechtigung zum Einsatz.

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