Ein Lügen-Kosmos

Täuschen, tricksen, tarnen: Die Rudolf-Steiner-Doppelausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg (von denen die eine  – Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart – mit dem 3. Oktober 2010 zu Ende gegangen ist, die andere – Rudolf Steiner und die Alchemie des Alltags – noch bis zum 21. November 2010 verlängert wird) hat vorgeführt bzw. tut es noch, wie ein öffentlicher Eindruck erzeugt werden kann, der den tatsächlichen Ambitionen und Gegebenheiten nicht im Geringsten entspricht.  Maßgeblich dazu beigetragen hat – entgegen offiziell anderslautender Darstellung – die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland.

In meinem Artikel vom 16. August 2010 („Da täuschen Sie sich…“) zeichnete ich anhand der bis dato vorliegenden Fakten und Tatsachenbehauptungen, aber auch schillernden Meinungen und Eindrücke das ambivalente Bild einer (Doppel-)Ausstellung, die der Öffentlichkeit versprach, was sie nicht halten konnte (und ganz offensichtlich auch nicht wollte): Ein unabhängig-kritischer Zugang zu Rudolf Steiner und seiner angeblichen Einflussnahme bzw. Wirkung auf  Tendenzen und Manifestationen moderner bildender Kunst. Repräsentativ für den gewollten Eindruck, Steiner objektiv, differenziert und distanziert darstellen zu wollen (weshalb auch die Mitwirkung bekennender Anthroposophen auf ein fachlich notwendiges Minimum reduziert werden sollte), äußerte sich Frau Rita Werneyer in ihrer Funktion als verantwortliche Leiterin für Kommunikation/Öffentlichkeitsarbeit am Wolfsburger Kunstmuseum. Ihre im diesbezüglichen Interview gemachten Aussagen sollten zweifelsfrei deutlich werden lassen, daß die Ausstellungen zu Steiner im Kontext von Kunst bzw. Biographie in keinerlei Abhängigkeitsverhältnis zu egal welcher Erscheinungsform organisierter Anthroposophie stehen. Rudolf Steiner sollte als ein menschliches Phänomen, als herausragende Figur der Zeitgeschichte aufgefasst werden dürfen, der sich grundsätzlich alle Menschen vertrauensvoll zuwenden dürfen. Steiner als elementarer Wegweiser, den zu befragen bzw. gleich zu befolgen sich niemand schämen braucht. Entsprechende Formulierungen (beispielhaft hierfür der Begriff „entsteinern“ von Markus Brüderlin, dem Direktor des Wolfsburger Kunstmuseum; von ihm stammt auch der einem trotzigen Wunschdenken einverleibte Satz „Steiner gehört nicht den Anthroposophen allein.“) belegen diese allein für die Öffentlichkeit konstruierte Erwartungshaltung.

Jeder Anschein stringent gesteuerter lobbyistischer Einflußnahme sollte vermieden, jeder Verdacht auf einen rein manipulativ-werblichen Charakter zerstreut werden. Die Angst, daß unterstellt werden könnte, eine ihrem Selbstverständnis nach exklusiv ausgerichtete esoterisch-weltanschauliche Bewegung nutzt weithin angesehene,  kulturell etablierte öffentliche Räume nur, um hernach ebenso weithin feststellen zu dürfen, daß Anthroposophie jedweden Zuspruch an allgemeiner Seriosität und wissenschaftlichem Respekt verdient hat, war und ist immens groß.  Eingedenk solcher Aussichten mit einiger Berechtigung. Also hat man sich gegen eine Option entschieden, die zweifelndes Stirnrunzeln recht bald in massive Verständnislosigkeit hätte umschlagen lassen.  Alternativ aber für das denkbar unaufrichtigste Konzept:
Demnach sollte die Ausstellung mit Anthroposophie und ihren Repräsentanten, wenn überhaupt, nur ganz am Rande zu tun haben. Der unbedingte Eindruck sollte entstehen, daß sie dem „anthroposophischen Kontext“  fern wie sonstwas steht, um einen hinreichend kritisch-objektiven Blick auf Steiner gewährleisten zu können.  So dann auch die offizielle Lesart der Ausstellungen, wie sie sie Frau Werneyer im Interview mit einigem Nachdruck dargestellt hat.  Das diese jedoch im krassen Widerspruch zur ursprünglichen, eigentlichen und eigentlich sehr naheliegenden Intention der tatsächlichen Ausstellungsmacher steht, davon musste man sich dann schon selbst überzeugen. Das habe ich versucht zu tun, mit zumindest für mich wenig überraschenden Ergebnissen.  Dass eine womöglich interessierte Öffentlichkeit dieses Feld der Überzeugungsarbeit gar nicht erst betreten sollte, dafür wiederum hat die hinlänglich bekannte  Kommunikationsoffensive aus loyalen anthroposophischen Reihen gesorgt.  Mit ihrer schamlosen Diktion pro Steiner hat man der Ausstellung den ersten großen Gefallen getan:  Selbstreferentielle Helden-Verehrung zwecks passender Einstimmung, eigennützig  inszeniert als tägliches Brot der eigentlich zuständigen Museumsabteilung für den Draht nach Draußen.  Die Helden-Verehrung fand ihre würdige Fortsetzung dann auch in der Ausstellung selbst, wie einige wenige Medien schnell erkannten, u.a. die „Rheinische Post“ vom 19. Mai 2010: „Die Wolfsburger Ausstellung neigt dazu, ihn zum Universalgenie zu verklären.“  Die „Nürnberger Nachrichten“ stellten am 17.05.2010 ebenso klarsichtig fest: „Was die beiden ebenso materialreichen wie sehenswerten Ausstellungen verbindet, ist jedoch die weitgehend unkritische Auseinandersetzung mit dem bereits zu Lebzeiten umstrittenen Steiner. Kann man die polarisierende Figur wirklich nur vom Elfenbeinturm aus betrachten?“ Aus diesen Äußerungen spricht bereits eine erste vage Vermutung, woher der Wind wehen könnte. Zum Beispiel aus den zum damaligen Zeitpunkt noch nicht konkret verortbaren Elfenbeinturm. Denn: Für den ganz speziellen Blick aus dem Elfenbeinturm  braucht es natürlich Meister ihres Fachs für den Meister. Daß die aus Stuttgart kommen, daß war schon im Gespräch mit Frau Werneyer meine dringende Vermutung, die gleichwohl nicht bestätigt werden wollte (und wohl auch nicht durfte).

Salonfähigkeit als Nahziel

Das subtile Helden-Anliegen stand zu keiner Zeit zur Disposition. Nur durfte das in der öffentlichen Vermittlung nicht ruchbar werden, weil:  Verklärung und Ehrerbietung konnte ja keine originäre Idee waschechter Anthroposophen sein. Auf sowas versteigen sich auch ganz normale Ausstellungsmacher, die ansonsten mit Steiner nichts am Hut haben. Brüderlin, Kries und Co. hatten dem Vernehmen nach eine nur marginale Berührung mit dem mystisch-mehrdimensionalen Weltrettungskomplex Anthroposophie – das aber doch ein wenig fester zugelangt wurde, das mochte sich so recht niemand trauen zuzugeben.

Quod erat demonstrandum: An der Beweislage soll es nicht scheitern. Für den Werbetext im Vorfeld der Ausstellungen zeichnen Anthroposophen verantwortlich. Die Öffentlichkeit jedoch sollte davon überzeugt sein, daß es sich bei diesem um die übliche Ausführung eines wesentlichen Teils der Öffentlichkeitsarbeit des Kunstmuseums Wolfsburg handelt. Nichts anderes hat mir Frau Werneyer im Interview versichert. Die Absicht hinter diesem bemerkenswerten Vorgehen ist klar:  Die verbale Generierung von Faszination und Verehrung für Steiner, das Heraufbeschwören eines Universalgenies als Vordenker und Inspirator der Moderne sollte durch das Sprachrohr eines weithin anerkannten Museums mit hervorragendem Ruf als unangreifbar seriös und neutral, mithin vollkommen objektiv erscheinen. Salopp formuliert: Wenn solch vielversprechende Dinge ein ziemlich bekanntes Museum über einen bis dahin im Volke eher unbekannten Geisttribun von sich gibt, dann muss es schon einiges auf sich haben mit seinen Visionen, Fähigkeiten und als epochal hingestellten Auswirkungen seines Tuns. Und schon geht das Hintertürchen zur allgemeinen Anerkennung auf, macht sich ein angesehenes Museum zum willfährigen Steigbügelhalter eines gnadenlosen Esoterikers und selbstgerechten Verkünders geschauter okkulter Wahrheiten. Dabei gewinnt seine Salonfähigkeit und die seiner strammen Gefolgschaft (mehr und mehr auch Kundschaft: dm-Markt, Weleda, Wala, GLS Bank, etc.) natürlich enorm, und mit ihr seine gesamtgesellschaftliche Reputation. Kein anderes Ziel hat man sich dort gesteckt, wo die Gedanken darum kreisten, wie Steiner im Vorfeld der vielfältigen Feierlichkeiten zu seinem 150. Geburtstag im Jahr 2011 so platziert werden könnte, daß eklatant vorhandene Schwellenängste auf das Niveau einer ersten vorsichtigen Annäherung fallen. Viele Besucher sollten also kommen und staunen, rekrutiert vor allem aus nicht anthroposophisch angehauchten Bevölkerungsanteilen, bei denen bis dato (wohlbegründete) Skepsis überwog.  Angetan vom Gesehenen und Erlebten, sollte es ihnen ein drängendes Anliegen sein, Freunden und Nachbarn mitzuteilen, daß der 150. Geburtstag Steiners gar nicht oft genug gefeiert werden könne.  In Anbetracht des bisher feststehenden umfangreichen Veranstaltungsprogramms (www.rudolf-steiner-2011.com) ein nicht ganz aussichtsloses Unterfangen.

Salonfähigkeit als Nahziel, das ist doch mal was, daß so manche gewollte Ungereimtheit und drastische Verhohnpiepelung scheinbar problemlos wieder wett macht. Und das Kunstmuseum Wolfsburg (ab dem 4. Februar 2011 auch das Kunstmuseum Stuttgart) war und ist sich nicht zu schade,  einen seriösen Rahmen zu bieten für unseriöse,  weil anmaßend okkult-esoterische Umtriebe. Immer mit dem Ziel vor Augen, das generell unbefriedigende Nischendasein zu verlassen, um der Welt die wahre Wichtigkeit anthroposophischer Daseinsspiegelung einzutrichtern. Wenn`s denn sein muss, auch über den anstrengenden Umweg  von künstlerisch-ästhetischer Reflexion: „Erstmals wird im Kunstmuseum Wolfsburg Rudolf Steiners Gesamtwerk durch künstlerische Positionen in das öffentliche Bewusstsein gehoben.“ (Angelika Wiehl in der Erziehungskunst, Ausgabe Mai 2010). Die Botschaft in der Hauptsache war und ist: Kommt und erliegt der Faszination und den Einsichten eines „Menschheitsführers“ von kosmischem Format, ohne daß auch nur ein echter Anthroposoph seinen authentischen Senf dazugeben müsste. Die entsprechende suggestive Wortwahl, die stilistisch einnehmende Diktion, damit sollten potentielle Besucher auf den einzig wahren Weg nach Utopia Spiritualis nach Steiners Ermessen gelenkt werden. Dieser Weg war wohlvorbereitet und professionell geebnet – nur eben nicht von denen allein, denen es ganz offiziell zugestanden wurde, auf die man sich in aller Öffentlichkeit verständigt hatte. Die Gründe dafür sind jetzt bekannt; und Wolfsburg sei es gedankt, daß nunmehr auch jene kein ausgereiftes Schattendasein mehr führen müssen, die diesen neuerlichen Artikel zur Wolfsburger Doppelausstellung zwingend notwendig gemacht haben.

„Bekennenderweise positiv…“

 Von dieser Organisation hat noch keiner gehört, wenn man den offiziellen Verlautbarungen Glauben schenken möchte: Die „Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland“. Und schon überhaupt nicht soll sie mit den Vorbereitungen zu den Ausstellungen in irgendeiner Form befasst gewesen sein. Allein ein Walter Kugler vom Steiner-Archiv in Dornach habe sich hier fachlich beratend eingebracht, hilfreich in „historisch-fachlichen Fragen“ (Rita Werneyer). Daß allein Herr Kugler ein ausgewiesener Anthroposoph ist und niemand sonst, im ganzen weiten Ausstellungsrund nicht, mit dieser Erkenntnis sollte noch der ärgste Steiner-Gegner ruhiggestellt werden. Das scheint auch soweit ganz gut funktioniert zu haben, trat doch sonst niemand erkennbar anthroposophisch elektrisiert auf den Plan. Abgesehen vielleicht vom Museumsdirektor Markus Brüderlin, dem in seinen zahlreichen einschlägigen Aussagen erstaunlich anthroposophieaffine Bemerkungen gelungen sind. Jedenfalls, der behauptete Single-Beistand des Herrn Kugler hat sich als nicht zutreffend erwiesen. Und belegen tun dies unmissverständliche Äußerungen, die treffender nicht verdeutlichen können, woher er denn nun tatsächlich geweht hat, der Wind in Wolfsburg:

Die Ausstellung sei nachdrücklich als „positive Würdigung des Werks Steiner“ angelegt gewesen. Von einer „Betrachtung aus kritischer Distanz“ könne keine Rede sein, damit wäre die Ausstellung auch „missverstanden“ worden. Die Ausstellung sei ermöglicht worden durch Menschen, die – wenn sie selbst auch keine Anthroposophen sind – dem Werk Steiners gegenüber „bekennenderweise positiv“ eingestellt sind. Und als vorläufiger Höhepunkt der Feststellungen, die aus einer absolut zuverlässigen und vertrauenswürdigen Quelle stammen: Darum sei die Ausstellung auch – natürlicherweise – „in enger Zusammenarbeit und mit der fachlichen Beratung  der Anthroposophischen Gesellschaft zustande gekommen“. Die Kompetenz der ganzen Sache soll damit nur „weiter unterstrichen“ werden, schließlich sei ja die Anthroposophische Gesellschaft letztlich doch „die kompetenteste Bewahrerin des Werkes von Steiner“.

Auch zum Stichwort PR die erwartbare Antwort: „In diesem Sinne habe man auch diverse Texte zur Verfügung gestellt.“  Ein hübscher Euphemismus für die freundlich gemeinte feindliche Übernahme der Öffentlichkeitsarbeit. Die unumwunden dazu beigetragen hat, nicht davor zurückzuschrecken, Tatsachen wie diese besser für sich zu behalten. So, wie ich auch im Verlauf meiner Recherche mehrfach feststellen musste, daß sich jedesmal, wenn die Sprache auf eben diesen Fakt kam, eine reflexartige Taubstummhaltung Bahn brach. Die anhielt bis auf die offizielle Ebene, die schon gar nichts wissen wollte von verdeckten Zuspielungen seitens der „kompetentesten Bewahrerin des Steiner-Werkes“.

Abschließend heißt es, daß die Ausstellung „für die breite Öffentlichkeit gedacht sei“, aber: Zugleich möchte man „ganz deutlich zeigen“, daß sie „von Menschen gemacht sei, die mit der Anthroposophie gut vertraut sind und die fachliche Beratung von Anthroposophen gezielt suchen.“  Warum hat man auch das nicht zugeben wollen? Hat die Angst überwogen, daß die Verheißung von den ersten Steiner-Ausstellungen „außerhalb des anthroposophischen Kontextes“ sich bei genauerer Betrachtung als bewusst irreführend  herausgestellt hätten? Daß ein angesehenes Museum herhalten musste und muss für die latenten Wiederbelebungsversuche eines geheimnisumwitterten Okkultisten mit seinen für die Moderne größtenteils unerträglichen Thesen und Tatsachenbehauptungen, daß empfinde ich als skandalös. Für das daran mitwirkende Museum (bzw. die Museen: Wolfsburg und Stuttgart, ab dem 17. September 2011 auch noch das Vitra Design Museum in Weil am Rhein) ist dieser Umstand von nicht minder  unerhörter Bedeutung. Gleichwohl macht es auf der interessierten Seite Sinn, wirft man beispielsweise einen gezielten Blick auf den Titel einer Veranstaltung unter sehr vielen ergebenen Hommagen an Rudolf Steiner zum 150. Geburtstag: „Erweckung zu einem neuen spirituellen Europa„.  Eine im Juni 2011 in Rumänien stattfindende Tagung, die auf notorisch betagtes Gedankengut zurückgreift, um daraus Weckrufe für die Zukunft zu basteln. Jedoch erweckt ein solcher Titel den Anschein von Missionsabsichten, wie sie zuletzt der Papst mit seiner Ankündigung der Einrichtung einer neuen Behörde für die Neu-Evangelisierung der säkularen westlichen Hemisphäre vorzubereiten drohte.  Mir persönlich ist daran gelegen, nicht einmal im Traum daran denken zu müssen, wie ein anthroposophisches Arsenal von quasi-religiösen Wahrheiten auf einen vergleichbaren Zug aufspringt. Und Ausstellungen, die entweder diffuse „Erweckungs“-Gelüste verfolgen oder einfach nur zu nachhaltiger Freundschaft mit einem aus den unterschiedlichsten Motiven verehrten Guru und „geistigen Führer“ aufrufen, haben spätestens dann perfekt einlullende Qualitäten, wenn hinter dem erklärten Anspruch nurmehr eine alles verklärende Wirklichkeit erscheint.

Täuschen, tricksen, tarnen – was zunächst nur vage Vermutung war, hat sich als nicht mehr zu leugnende Tatsache entpuppt, von der sich ein ganz wesentlicher Teil der esoterisch-spirituellen Szene in Deutschland offenbar Quantensprünge in Richtung einer entscheidenden Mitwirkung an offensiver öffentlicher Zukunftsgestaltung verspricht. Daß sich dabei die organisierte Anthroposophie aufgerufen fühlt, hier federführend Zeichen und unübersehbare Akzente zu setzen, überrascht angesichts  ihres gewaltigen besserwisserischen Potentials nicht. Nur sollte sie zur Kenntnis nehmen, daß anerkanntermaßen unzulässige Methoden nicht unbedingt zu Glaubwürdigkeit und Ansehensgewinn beitragen. Daß sie es dennoch vorgezogen hat, sich mit einem unlauteren Vorgehen für vorgeblich lautere Motive und Ziele einzusetzen, fällt auf ihr philosophisch-ideologisches Gerüst zurück, das weit wackeliger daherkommt als die übliche selbstgewisse Außendarstellung es vermuten lässt. Solch ein Gerüst jedoch droht beizeiten einzustürzen, wenn auch schnell errichtete Stützen von Außen das nicht mehr zu verhindern wissen. Eine solche, vor allem zur blanken Selbstvergewisserung und -rechtfertigung errichtete Stütze war und ist die Idee und Realisierung der Steiner-Ausstellungen. Mit ihnen hat man demnach tatsächlich einen Quantensprung geschafft – und zwar ganz nahe hin an die komplette Infragestellung einer geistigen Baustelle, die auf so gut wie keine Materialien aus der Realität angewiesen ist.  Dafür aber umso mehr auf Zuschauer und Besucher, die genau das zu schätzen wissen. Oder denen man zumindest versuchsweise beigebracht hat, wie sich gewisse Illusionen und Sehnsüchte anfühlen, wenn man sie nur ansprechend präsentiert…

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11 Gedanken zu “Ein Lügen-Kosmos

  1. Mein Gott, wie albern immer diese einseitigen Hasstiraden und Rundumschläge gegen Rudolf Steiner und die Esoterik. So als wenn wir im 21. Jahrhundert auf dem Gipfelpunkt der Weisheit angelangt wären und alle Jahrtausende der Menschheitsgeschichte zuvor in Blindheit und Aberglauben lebten.
    Was für eine ungeheure Arroganz, zu meinen, die materialistische Wissenschaft sei das einzig Wahre – und das eigene beschränke Denken müsse nicht von anderen Menschen lernen, um seine Beschränktheit stetig zu überwinden.

    1. Danke für Ihre wenig gewöhnungsbedürftige Einschätzung. Bloß: Nein, der betreffende Artikel ist keine „Hasstirade“. Dafür mangelt es ihm zum einen an geeigneten Formulierungen, zum anderen an einer notwendigerweise dafür zugrundeliegenden eindeutigen Tendenz. Hass liegt mir fern wie sonstwas, warum auch? Betrachten Sie den Artikel nüchtern: Sie werden einige (darunter auch entscheidend neue) Informationen vorfinden, die entweder für sich stehen oder kommentierend, manchmal auch glossierend ergänzt und gerundet werden. Das ist erklärter Stil und leicht erkennbare Absicht dieser Seite, bereits der Titel sowie der Untertitel lassen daran keine Zweifel. Das kann natürlich bedeuten, daß mit gewissen „Rundumschlägen“ durchaus zu rechnen ist. Diese allerdings nicht um ihrer selbst willen, sondern immer dem Prinzip von Ursache und Wirkung folgend. „Rundumschläge“ treffen es dabei auch nicht wirklich: Zu berechnend ist dann doch, was sich als diszipliniert-sportliches Ergebnis liest.

      „… in Blindheit und Aberglauben lebten.“ Oh ja, in dem Punkt kann man Ihnen nicht wirklich widersprechen. Es hat de facto nicht wenige Jahrhunderte gebraucht, bis einer relativen Mehrheit der Menschen die Augen geöffnet wurde. Daß der Aberglaube aber auch heutzutage noch ein treuer Begleiter allzu vieler Menschen ist, wie er bereits in weitreichender Vergangenheit eine schwere geistige Bürde war, läßt natürlich Restzweifel am Wirkungsgrad der Aufklärung und anderer zivilisierender Bemühungen.

      „… eine ungeheure Arroganz, …, die materialistische Wissenschaft sei das einzig Wahre – …“. Aber wieso? Was ist arrogant an der Behauptung empirischen Wissens? Wie kann etwas arrogant sein, wenn es ganz im Gegenteil auf die Überheblichkeit verzichtet, Dinge zu behaupten, die Relevanz allein in Glaubenssystemem besitzen? Und tun Sie mir einen großen Gefallen: Verzichten Sie bitte in Zukunft bei diesen oder ähnlich gelagerten Diskussionen auf die Wiederverwendung oder Fortschreibung des Begriffes von der „materialistischen Wissenschaft“! Diese hilflose Attacke ist allein einem esoterisch eingeordnetem Feindbild geschuldet, daß auf dieser vermeintlich aufrichtigen Ebene ständig geritten wird. In anthroposophischen Zusammenhängen gibt es fast kein liebgewonnerenes als dieses – soll es doch suggerieren, Wissenschaft ist eben nicht gleich Wissenschaft, und „materialistische“ Wissenschaft gleich „böse“, weil „nur“ sinnlich betretbare Wissenschaft. Die „einzig wahre“ Erkenntnis hieraus: Der Glauben muß es richten, und der Glauben wird es richten. Und wenn es am Ende jegliche Vernunft ist, die er richtet.
      Und ob: Das Denken ist beschränkt. Bei mir fällt sogar schon die Schranke, wenn sich anthroposophische Denkkünstler meines Denkens annehmen wollen.

  2. Rudolf Steiner im Kunstmuseum Wolfsburg und im Kunstmuseum Stuttgart

    (…) Vom 5. Februar 2011 – 22. Mai 2011 werden beide Ausstellungen nochmals gemeinsam unter dem Titel „Kosmos Rudolf Steiner“ im Kunstmuseum Stuttgart präsentiert.

    Wie ist es möglich, dass der künstlerisch völlig untalentierte Rudolf Steiner, Begründer der esoterischen Heilslehre „Anthroposophie“, gleich in zwei renommierten deutschen Kunstmuseen gezeigt wird?

    Haben hier anthroposophische „Beziehungskünstler“ den größten PR-Coup in der Geschichte der Anthroposophie gelandet? Wurde dem Rassisten und selbsternannten Hellseher Rudolf Steiner in den Mantel der Seriosität geholfen?

    (…) weiter: http://www.ruhrbarone.de/rudolf-steiner-im-kunstmuseum-wolfsburg-und-im-kunstmuseum-stuttgart/

  3. „Rudolf Steiner, ‘Philosoph’?

    (…)

    Man spricht hier also vielleicht besser von einem „bürgerlich-anthroposophischen Komplex“, als von einer „Sekte“. Vor allem Rudolf Steiners Waldorfschulen sind beim „Bildungsbürger“ sehr beliebt, von überzeugten Eltern hört man wahre Wunder-Dinge. Seltener wird offen darüber geredet, dass die Waldorfschule als Privatschule eine quasi „ausländerfreie“ Umgebunggarantiert. Und mit „Schmuddelkindern“ müssen die Elite-Kinder auch nicht spielen, „Sozialbenachteiligte“ gibt es an Waldorfschulen kaum. Viele Eltern können in der anthroposophischen Schule auch ihre überkritische Haltung ausleben: Auffallend häufig kommt es an Waldorfschulen zu Masern-Ausbrüchen, da Eltern der „Schulmedizin“ misstrauen, und ihre Kinder nicht impfen lassen. Noch Unentschlossene werden gerne vom anthroposophischen Schularzt „beraten“.

    (…)“

    zum vollständigen Artikel: http://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2014/12/01/rudolf-steiner-philosoph/

  4. Wenn man weiß, dass z.B. der baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch (SPD) seine vier Kinder in die Walddorfschule schickt, erscheint dies doch sehr merkwürdig und paradox. Mir bleibt schleierhaft, wie ein solcher Mann überhaupt Kultusminister werden konnte!?

  5. Zitat aus „Ein Lügen-Kosmos“:

    „Die verbale Generierung von Faszination und Verehrung für Steiner, das Heraufbeschwören eines Universalgenies als Vordenker und Inspirator der Moderne sollte durch das Sprachrohr eines weithin anerkannten Museums mit hervorragendem Ruf als unangreifbar seriös und neutral, mithin vollkommen objektiv erscheinen.“

    Statt „Museum“ gibt es von der Anthroposophie den neuen Propaganda-Coup „Wissenschaft“:

    „Christian Clements ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners (SKA)’: ‘Des Steiners neue Kleider’

    (…)

    Was Clement nun als ‘kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners (SKA)’ abliefert, ist der Versuch, der Öffentlichkeit eine rein anthroposophische Sicht auf Rudolf Steiner als unabhängige Wissenschaft zu verkaufen.

    Wie weit Clement in seiner anthroposophischen Heiligsprechung Rudolf Steiners geht, mit welchen letzten Mitteln er versucht, Steiner als „eigenständig“ darzustellen, überrascht dann aber doch, Peter Staudenmaier:

    „Ein besonders bedauerliches Beispiel illustriert die Unzulänglichkeiten in Clements Herangehensweise. In seiner Diskussion von Steines Aneignung der fiktionalen Figur des ‘Hüters der Schwelle’ schreibt Clement, dass ‘Kritiker’ der Anthroposophie die ‘Anklage’ erhoben hätten, dass Steiner diese Figur aus einem Roman des neunzehnten Jahrhunderts von Edward Bulwer-Lytton übernommen habe. Aber dies hat nichts mit Kritik zu tun, noch viel weniger mit Anklagen; es ist eine einfache Angabe der Quelle Steiners. Es ist zugleich ein sinnvolles Beispiel für Anleihen des Okkultismus aus der fiktionalen Literatur.

    Clement leugnet rundweg all dies, indem er offensichtlich den historischen Kontext ignoriert. Das ist ein sehr seltsamer Standpunkt, da Steiner offen andere Elemente aus Bulwer-Lyttons fiktionaler Literatur auslieh, so wie den Begriff ‘Vril’, und da der fragliche Roman viele unverhohlen okkulte Bestandteile enthält und ein schönes Beispiel des Viktorianischen Revivals von Themen der Rosenkreuzer ist.“16

    Bulwer-Lyttons „Vril“ wird von Steiner als „Lebenskraft“ übernommen, wie auch die „in geringer Höhe über dem Boden schwebenden Fahrzeuge der Atlantier“17 in Rudolf Steiners rassistischem Science-Fiction-Trash ‘Aus der Akasha-Chronik’.“

    zum vollständigen Artikel beim Ratgeber-News-Blog (mit Quellenangaben): https://ratgebernewsblog2.wordpress.com/2015/04/14/christian-clements-kritische-ausgabe-der-schriften-rudolf-steiners-ska-des-steiners-neue-kleider/

  6. BERLIN. (hpd) Die Anthroposophie versucht seit Jahren, Rudolf Steiner ein neues, positives und neutrales Image zu geben: weg vom „verstörenden“ Esoteriker Steiner, hin zum bedeutenden Philosophen Steiner. Dass sich ein nach aussen hin renommierter Verlag, der „Frommann-Holzboog Verlag“, an dem anthroposophischen Betrug beteiligt, überrascht. Mehr –>

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