Eurythmie: Tanz in das Morgen

Sie haben sich für einen anthroposophischen Tanzkurs angemeldet?  Und Sie sind sich auch ganz sicher, daß es nicht Walzer, nicht Discofox, nicht Merengue oder Streetdance, nicht Salsa oder Tango, sondern ausgerechnet

Eurythmie

sein soll? Dann möchte ich Ihnen folgendes empfehlen: Bevor Sie sich für ein im Prinzip unnahbares Geist- oder Elementarwesen als temperament(e)vollen Tanzpartner entscheiden, lesen Sie das hier:

Eurythmie – Der Erziehungskünstler als T(R)aumtänzer

Dieses kürzlich fertiggestellte Kapitel aus meinem Buchprojekt widmet sich einem stramm choreographierten Tanz, der schon mal aus allen Wolken fällt, um dafür umso sanfter in den Waldorfschulen (und ebenso Waldorfkindergärten) zu landen. Hier hat Eurythmie noch immer jenen hohen harmonisierend-künstlerischen Stellenwert, den ihr außerhalb anthroposophischer Einrichtungen niemand so recht nachsagen will.  Und hier spannt man noch immer ahnungslose Kinder und Schüler vor einem spirituell beladenen Karren, auf dem ganz weit oben die Zunftmeisterinnen und -meister (Eurythmisten) die gnadenlos wissende Filz-Peitsche führen.  Sie halten das für übertrieben? Dann verfolgen Sie bitte aufmerksam die folgenden Ausführungen des „Berufsverbandes der Eurythmisten in Deutschland e.V.“ –  in einem Dokument aus dem Jahr 2004, daß sich zur „aktuellen Situation der Eurythmie im Kindergarten“ äußert,  ist unter Punkt 2 die  „pädagogische Bedeutung der Eurythmie im Kindergartenalter“ festgehalten.  Darin heißt es:
 „Das Kind im ersten Jahrsiebt muss sich erst vertraut machen mit den irdischen Verhältnissen, es ist dabei, in seine Behausung (seinen Leib) einzuziehen. Und damit es gut einziehen kann, sind Bewegungen, die aus dem ganzen Menschen herausgeholt werden, eine große Hilfe. So ist es für die Kinder vom 3. bzw. 4. Lebensjahr an eine wirkliche Inkarnationshilfe, wenn sie Eurythmie machen: bis in die Organbildung hinein sind im 1. Jahrsiebt fortwährend Prozesse des Bildens und des Formens im Gang.“

Mir scheint das ganz und gar nicht übertrieben. Mir scheint das nur ziemlich weit hergeholt – aus jenen entlegenen Vorstellungs- und Wahnwelten des Rudolf Steiner nämlich, in die schon kleine Kinder hinein zu begleiten  Eurythmisten sich unendlich berufen fühlen. Unendlich in dem Sinn, daß es alle Zeiten hindurch keine bessere Starthilfe („Inkarnationshilfe“) in ein schon wieder neues Leben geben kann als die, wie sie ein Eurythmist in seiner unglaublichen Güte anzubieten sich niemals verwehrt. Und mir scheint, daß das, was hier behauptet wird, Sekten-Jargon reinster Güte entspricht. Woher die Kenntnis, daß sich ein Kind „erst vertraut machen muß mit den irdischen Verhältnissen“?  Woher die Gewissheit vom „Einzug in seine Behausung (Leib)“?  Und wohin mit der Formulierung  „Inkarnationshilfe“, wenn sie von der ebenso nur behaupteten Grundannahme ausgeht, daß der Mensch bzw. sein „Geistselbst“ nicht nur einmal lebt? Rational-logisch oder gar wissenschaftlich ist das an keiner Stelle, belehrend-irrational dagegen durchgängig. Das Wesen der Anthroposophie erweist sich auch auf der Tanzfläche als vollkommen abgenabelt vom Stand der Dinge im Jahr 2010; was zählt, ist der Glaube an die Möglichkeit des Abseitigen. Bloß wird dieser Glaube in den Stand des Wissens erhoben, komplett fehlenden Nachweisen zum Trotz. So stellt sich der ganz gewöhnliche Gang ins Sektierertum dar, und mir scheint, einen Weg da wieder heraus mag man nicht wirklich einschlagen. Schon gar nicht tänzelnd…

 Mit einem Schlag quasi fordert sogar der Waldorflehrer Dieter Centmayer die leider nur vorläufige Abschaffung des Eurythmie-Unterrichts.  Auf seinem Blog (joveniden.blogspot) formuliert er den traurigen Ist-Zustand der Eurythmie folgendermaßen:

Die Eurythmie ist keine in der Zivilisation anerkannte und gewürdigte Kunst geworden. Deshalb kann sie bei vielen größeren Schülern nicht in der gewünschten Weise aufgenommen werden und wirken. Die Folge ist, daß in manchen Schülerseelen Gefühle dem Fach gegenüber veranlagt werden, die schädlich sind – nicht nur für die Schüler, sondern auch für die ganze Eurythmie und schließlich auch für das gesamte Waldorfsystem. Dem müssen wir Rechnung tragen. Auch wenn wir die Eurythmie noch so sehr lieben. Der Verzicht auf die Eurythmie ist etwas ganz Bitteres, aber etwas gewissermaßen durch die Zeitverhältnisse Erzwungenes.“  Das muss natürlich wehtun. Aber ein gestandener Waldorflehrer weiß um sein seherisches Können und setzt es dementprechend ein: „Es wird eine Zeit kommen, wo man sie mit Begeisterung praktizieren wird.

Atlantis ist bereits untergegangen.

 

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2 Gedanken zu “Eurythmie: Tanz in das Morgen

  1. Ich denke, die Eurythmie haette noch eine Chance, wenn man sie entstaueben wuerde. Bewegung an sich ist ja nicht schlecht. Im Gegenteil: Die Wissenschaft kommt ja zu dem Schluss, dass die Bewegung auch gut fuer die intellektuelle Entwicklung ist. (Bewusst schreibe ich nicht geistige Entwicklung, obwohl die Wissenschaft dieselbe meint). Die Eurythmie koennte sich die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Herzen nehmen und den Unterricht entsprechend anpassen. Man muss es nur wollen.

  2. Dirk Klose
    Ich glaube nicht dass Eurythmie nur als „Bewegung“ betrachtet werden kann. Weit gefehlt.
    Hier aus folgenden link entnommen (http://www.bible-only.org/german/handbuch/Eurythmie.html)

    „Eurythmie kann von ihren Wurzeln in der heidnischen Tempeltanzkunst her und gemäss ihrem Selbstanspruch, dem Menschen unzugängliche übersinnliche Welten auf Erden zu vergegenwärtigen, aus christlicher Sicht nur als dämonisch inspirierte und Dämonen herbeirufende Kunst verstanden werden. Betrachtet man die mit Geheimsymbolen gefüllten Bühnenbilder und seltsamen Bewegungsformen bei eurythmischen Aufführungen (einige sind in Steiners Buch „Eurythmie“ fotografisch dokumentiert), dann ergibt sich für den unbefangenen Beobachter ein unheimlicher und finsterer Eindruck. Im „Lexikon des Geheimwissens“ von H. Eurythmie Miers wird ausdrücklich auf die Ähnlichkeit zwischen der Steinerschen Eurythmie und dem brasilianischen >Macumba>Spiritismus hingewiesen:

    „Nachdem von der Theosophie praktisch alle Religionen, der Okkultismus, die Magie und der Spiritismus bearbeitet worden waren, suchte Steiner auch die Kunst in den Dienst der anthroposophischen Theosophie zu stellen (…) Es handelt sich dabei (sc. bei der Steinerschen Eurythmie) besonders um Bewegungen, die das gesprochene Wort besser zum Ausdruck bringen sollen, ähnlich der Macumba, einem magischen Tanz der südamerikanischen Eingeborenen“ (Miers 1986, 138).

    Steiner bestätigt dies indirekt, wenn er sagt:

    „Der Rhythmus des Tanzes führt zu den Urzeiten der Welt. Die Tänze unserer Zeit sind eine Degeneration der uralten Tempeltänze, durch welche die tiefsten Weltgeheimnisse erkannt werden“ (642,186)*.“

    * (Mysteriendramen, Steiner-TA)

    Also man sieht es, ist nicht so harmlos wie es scheint.
    Esoterisches, okkultes Zeug am Schulen und Kindergärten. Eltern seid wachsamer!

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