O-Ton Steiner

 

Auf dieser Seite will ich Sie mit Steiner im O-Ton vertraut machen. Aber weniger den aus einschlägigen Debatten geläufigen Steiner, sonder mehr und verstärkt den eher unbekannten, den noch nicht sonderlich exponierten, aber schon zweifelsfrei anmaßenden und immer selbstgewissen Steiner. Und in genau diesen Zeilen  steckt nach meiner Überzeugung viel an bezeichnendem und entlarvendem Sprachgebrauch. Er selbst macht sich damit zum entschiedensten Verfechter einer für mich nicht akzeptablen Geisteshaltung sowie eines fatalen Sendungsbewusstseins, die noch heute ihre entsprechende Wirkung nicht verfehlen: Nicht an den Waldorfschulen, schon mal überhaupt nicht in den Köpfen der anthroposophischen Bewegung, aber darüber hinaus auch nicht in weiten Teilen der Esoterik-Szene insgesamt. Steiner formuliert dabei grundsätzliche, wegweisende und extrem verführerische Gedanken, deren unterstellter Wahrheits- und Weisheitsgehalt geeignet ist, Menschen intellektuell, moralisch und ästhetisch zu versklaven. Steiner war hierbei erschreckend erfolgreich – und daß es tatsächlich nicht wenige sind, die sich erstaunlich viel darauf einbilden, blinde (auf einem oder gleich auf beiden) Gefolgschaft zu leisten, macht die Sache auch nicht gerade appetitlicher, geschweige denn problemlos hinnehmbar.

 Meine weitere Absicht auf dieser Seite ist es, den Wortlaut Rudolf Steiners in unseren heute üblicherweise gebräuchlichen Sprachduktus (gleichwohl subjektiv) zu übersetzen, möglichst kurz, pointiert und vielsagend. Die eigentliche Absicht dabei ist es ebenfalls, zu bezeichnen und zu entlarven: Das nämlich, was Steiner dramatisch intensiv im Kopf herumging, als er mit verbissener Entschlossenheit darum rang, angeblich erreichbarer Ideale wegen die reale Welt vollständig und rücksichtslos hinter sich zu lassen. Daß  sein zigfach hervorgehoben größtes Ideal – daß der menschlichen Freiheit – im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ausgerechnet in seinen feste und beständige Form angenommenen Ideengebäuden am meisten Federn lassen musste, daß macht doch ziemlich betroffen. Führt aber auch gleichzeitig unmissverständlich vor Augen, daß energisch hermetische und mit Kritik nicht wirklich leben könnende Welt- und Menschenanschauungen wie die Anthroposophie Freiheit und Emanzipation gar nicht zulassen können: Ein einziger Riss im Gebäude, und der Verfall scheint unaufhaltsam… und mit ihr die Reste von Freiheit im freien Fall, die schon vorher nurmehr als lästiges, destruktives Stückwerk wahrgenommen wurde. Der anthroposophische Entwurf der Freiheit ist ein barock-okkultes Sammelsurium theoretisch genehmer Anleihen von Freiheit, mehr nicht. So muß sie es sich gefallen lassen, überall dort vorgeführt zu werden, wo ihr Anthroposophen auf die Pelle rücken. Wir sollten ihr also zur Seite stehen, hier wie anderswo, wo sie mehr und mehr, offen oder subtil, in schwere Bedrängnis gerät. Auch das eine Absicht (von Steiner im Brett insgesamt): Nicht jenen Leuten die Deutungshoheit für sowieso schon brutal ausgebeutete Begriffe überlassen, sondern selber dafür Sorge tragen, daß objektiv lohnenswerte Ideale wie das der Freiheit nicht zum hohlen Pathos und mißbräuchlicher, durchsichtiger  PR-Strategie verkommen dürfen…

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O-TON STEINER vom 11. August 1881, aus einem Brief an Rudolf Ronsperger:

„Ich bitte Sie, werfen Sie – ich bitte Sie wirklich herzlich, den Büchner und dgl. dummes Zeug von sich, vergessen Sie alles, was darinnen steht; denn dies ist ja so alles erlogen. Ich staune mit jedem Tage mehr, wie solches Geschwätz soviel Anklang finden kann. Ich habe meinen guten Grund dazu, Ihnen solch einen Rat zu geben. Denn ich versichere Sie, es krankt unsere Zeit daran, daß sie sich von der an sich widerspruchslosen Religion losgemacht, einer seichten Aufklärung und Aufklärerei hingegeben und sich bis zu den wieder widerspruchslosen, Vernunft wie Herz völlig zufriedenstellenden Lehren der Philosophie nicht aufschwingen kann. Die Religion wie die Philosophie söhnen gleicherweise mit der Welt aus; die seichte Aufklärung ganz allein erzeugt Disharmonien.“

 → Ich muss Sie schon bitten: Lassen Sie bloß die Finger von Büchern, die mein Denken nicht im Geringsten widerspiegeln! Besteller sind überhaupt nicht mein Ding, aber die Leute unterhalb meines Niveaus scheinen darin das erste Mal in ihrem Leben überhaupt auf das ABC zu stoßen.  Und, igitt, Bücher, pfui Teufel, die sich um die Aufklärung verdient gemacht haben: Ich kann nur allen Leuten mit weit weniger geistiger Substanz als ich sie nicht müde werde aufdringlich zu betonen empfehlen: Haltet euch auch weiterhin an die Religion – die garantiert nur wenig unterhalb der 100.000er Marke liegende Widerspruchsquote ist allemal annehmbar und liebenswert. Und auch die Philosophie – vor allem die von mir kosmos-politisch zusammengeschraubte  – bekäme ihnen mit Sicherheit gut, wenn sie nur endlich vernünftig genug wären,  unwirtliche Lebensstationen gegen  philosophische Allgemeinplätze einzutauschen.  Widersprüche sind übrigens auch hierbei keine erkennbar, jedenfalls keine, die sich nicht in mein Weltbild fügen. Und dann schon wieder diese total besch… Bemühungen um Aufklärung… echt so seicht und aggressiv, die fordern total und umfassend zum Widerspruch heraus, und den konnte ich, ehrlich gesagt, noch nie so gut leiden, weshalb ich ihm eingedenk meiner geistigen Überlegenheit als zwecklos qualifiziert und sogleich kaltgestellt habe. Null harmoniefördernd, der…

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O-TON STEINER vom 27.08.1881, erneut aus einem Brief an Rudolf Ronsperger:

„Eben erinnere ich mich, daß ich mich gestern sehr scharf über den Materialismus aussprach. Doch geschah es vollkommen gerecht. … Wer einmal höhere Wahrheiten gekostet hat, der ist für solch tiefstehender Irrtümer nicht mehr empfänglich.“

Mir ist gerade eingefallen, daß ich mich gestern mit Cayenne-Pfeffer zwischen den Zähnen mit der realen Welt angelegt habe. Aber es war absolut notwendig. … Wer schon mal dem Wahnsinn so verfallen ist wie ich, der kann Lüge von Wahrheit längst nicht mehr unterscheiden. 

 

 

 

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4 Gedanken zu “O-Ton Steiner

  1. „Rudolf Steiner in Paris

    »Abrakadabra kadibar kadabra –
    Palle – palle! Muff! Muff! Muff!«
    Zauberer in einem Kindertheater

    Rudolf Steiner, der Jesus Christus des kleinen Mannes, ist in Paris gewesen und hat hier einen Vortrag gehalten. Es war eine streng geschlossene Gesellschaft, man hatte mich nicht eingeladen, und so hatte ich Gelegenheit, den Ausführungen Herrn Steiners zu lauschen.

    Mit Paris hatte die Veranstaltung nicht allzuviel zu tun. Sie fand im Saal einer hiesigen wissenschaftlichen Gesellschaft statt, die nur die Räume, nicht die Wissenschaftlichkeit dazu gegeben hatte, und sie war in der Hauptsache von jenem ein wenig internationalen Mischmasch verbogener Menschen besucht, die ihr Manko auf Steiner abgewälzt haben: wenn aber eine den Geliebten nicht bekommen kann, einer gekündigt, einer überhaupt unbefriedigt ist, so ist das noch kein Grund, in der Philosophie umherzuschludern.

    (…) Ich habe so etwas von einem unüberzeugten Menschen überhaupt noch nicht gesehen. Die ganze Dauer des Vortrages hindurch ging mir das nicht aus dem Kopf: Aber der glaubt sich ja kein Wort von dem, was er da spricht! (Und da tut er auch recht daran.)

    (…) Wenns mulmig wurde, rettete sich Steiner in diese unendlichen Kopula, über die schon Schopenhauer so wettern konnte: das Fühlen, das Denken, das Wollen – das »Seelisch-Geistige«, das Sein. Je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt – und er hantierte mit Riesenbegriffen. Man sagt, Herr Steiner sei Autodidakt. Als man dem sehr witzigen Professor Bonhoeffer in Berlin das einmal von einem Kollegen berichtete, sagte er: »Dann hat er einen sehr schlechten Lehrer gehabt –!«

    (…) Immer, wenn übersetzt wurde, dachte ich über diesen Menschen nach. Was für eine Zeit –! Ein Kerl etwa wie ein armer Schauspieler, der sommerabends zu Warnemünde, wenns regnet, im Kurhaus eine »Réunion« gibt, alles aus zweiter Hand, ärmlich, schlecht stilisiert … und das hat Anhänger –! Wie groß muß die Sehnsucht in den Massen sein, die verlorengegangene Religion zu ersetzen! Welche Zeit –!

    (…)“

    Kurt Tucholsky, vollständiger Text:

    http://www.textlog.de/tucholsky-rudolf-steiner.html

  2. Hast mein Kommentar gelöscht… du (ja, ‚du‘ klein geschrieben, du mieser…) Keine Reaktion, keine Antwort, keine Erklärung… dabei bin ich auch contra-Steiner… Das war wohl zu schwer für dich raus zu filtern. Schäm dich, wenn du dich ernsthaft Journalist nennen willst. Häng dich auf… feiger Wikkkser

  3. “Liebe (Waldorf-) Schüler, helft mir mal beim Französisch! („Un homme et une femme“)

    C’est très charmante, cette chanson! Kann man auf Deutsch auch so bezaubernd sein? Einen deutschen Text für „Un homme et une femme“ schreiben? Von Andreas Lichte.

    Warum ich ausgerechnet Waldorfschüler anspreche? C’est tout simple: Der Begründer der Waldorfschulen, Rudolf Steiner, hielt Französisch für „tot“, „dekadent“, und wollte es „abschaffen“. Siehe unten. „Der Reiz des Verbotenen“ – für Waldorfschüler.

    (…)

    Rudolf Steiner über Französisch

    „Einen Anfang kann sie [die Waldorfschule] nur machen durch jenes Verständnis, welches unsere Lehrerschaft entgegenbringt dem Charakter des Französischen, daß man es so behandelt, daß man sich bewußt ist, man bringt eigentlich eine Dekadenzerscheinung in die Schule hinein; das muß man nicht den Kindern sagen, aber man sollte sich schon darüber klar sein.

    Man ist sich darüber klar, aber auf der anderen Seite ist es absolut ausgeschlossen, daß wir von der Waldorfschule den Anfang machen mit dem Kampfe für die Abschaffung der französischen Sprache. Das ist aus äußeren Gründen nicht möglich. Wir haben ja noch kein freies Geistesleben (…)“ [Seite 278]

    „Was die französische Sprache aufrecht erhält, ist der Furor, das Blut der Franzosen. Die Sprache ist eigentlich tot, und sie wird als Leichnam fortgesprochen. Das ist am allerstärksten an der französischen Poesie des 19. Jahrhunderts hervorgetreten. Korrumpiert wird die Seele ganz sicher durch den Gebrauch der französischen Sprache. Sie gewinnt nichts als die Möglichkeit einer gewissen Phraseologie. Das wird auch übertragen auf andere Sprachen bei denjenigen, die das Französische mit Enthusiasmus sprechen.

    Es liegt dies vor, daß gegenwärtig die Franzosen dasjenige, was ihre Sprache als Leichnamssprache aufrechterhalten hat, das Blut, auch noch selbst verderben. Die schreckliche Kulturbrutalität der Verpflanzung der schwarzen Menschen nach Europa, es ist eine furchtbare Tat, die der Franzose an anderen tut. Sie wirkt in noch schlimmerer Weise auf Frankreich selbst zurück. Auf das Blut, auf die Rasse wirkt das unglaublich stark zurück. Das wird wesentlich die französische Dekadenz fördern. Das französische Volk als Rasse wird zurückgebracht.“ [Seite 282]

    Rudolf Steiner, „Konferenzen mit den Lehrern der Freien Waldorfschule 1919 bis 1924 – Konferenz vom Mittwoch 31. Januar 1923, 16–19 Uhr“, GA 300b

    (…)”

    zum vollständigen Artikel: http://www.ruhrbarone.de/liebe-waldorf-schueler-helft-mir-mal-beim-franzoesisch-un-homme-et-une-femme/

  4. Schön finde ich auf dieser Seite, dass mir die Erklärugnen gleich dazu gegeben werden, damit ich auch wirklich nicht verfehle zu erkenne, was für ein Idiot Steiner wohl war. Danke, ich komme nicht wieder.

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